Der Volo-Blog der Freien Presse

Jetzt erzählen die Nachwuchsredakteure


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Vitamin B

Von Jonathan Rebmann

Ich hatte mich gerade in Chemnitz eingelebt, da wurde ich wie ein frisch gepflanzter Setzling jäh aus dem neuen Umfeld herausgerissen. Meine nächsten drei Monate sollte ich im Vogtland verbringen. Doch dank Vitamin B und einer ordentlichen Portion Glück wurde mein Aufenthalt im Vogtland eine ganz familiäre Erfahrung. Auch ein Autoverkäufer spielte dabei eine wichtige Rolle.

 

Es gibt zwei Typen von Menschen: Solche, die gerne Umziehen und andere denen es zunächst schwer fällt, in einer neuen Heimat Fuß zu fassen. Ich gehöre eher zur zweiten Gruppe. Mein Umzug von Stuttgart nach Chemnitz lag gerade mal drei Monate zurück. Drei Monate in denen ich meine neue Heimat ein kleines bisschen kennen gelernt hatte. Ich habe in der kurzen Zeit festgestellt, dass ich zwei sehr nette Mitbewohner habe und dass es im Chemnitzer Stadtteil Bernsdorf ein lebendiges Studentenleben gibt. Hier wohnen viele junge Leute. Kurzum: Ich hatte erste Kontakte geknüpft, da hieß es für mich: Schon wieder umziehen. Ich sollte ab Januar 2017 in Plauen wohnen. Die Lokalredaktion dort war die zweite Station meiner Ausbildung. In zwei Jahren durchlaufen die Volontäre insgesamt acht Stationen. Das bedeutet, dass man alle drei Monate eine neue Redaktion kennen lernt.

Also wieder umziehen. Pendeln kam nicht infrage, da man zwischen Plauen und Chemnitz mitunter eine Stunde mit dem Auto unterwegs ist, ganz zu schweigen vom öffentlichen Nahverkehr. Natürlich hört man sich dann um, wo man in Plauen günstig unterkommen kann. Schließlich standen schon viele Volontäre vor mir vor derselben Frage wie ich damals Ende 2016. Die anderen Auszubildenden empfahlen mir ein Wohnheim. Aus meiner Zeit als Student hatte ich ein gewisses Bild von Wohnheimen im Kopf, das meine Lust dort zu wohnen nicht gerade beflügelte, obwohl die Wahrheit meist gar nicht solchen Vorurteilen entspricht. Doch mein Weg führte nicht ins Wohnheim.

In meiner kurzen Zeit als neuer Bewohner von Chemnitz hatte ich Lukas kennen gelernt. Der junge Mann lebte ebenfalls seit kurzem mit seiner Frau in Chemnitz. Bei einem abendlichen Bier lernte ich drei Dinge über Lukas: Erstens: Er verkauft Autos, zweitens: er ist super hilfsbereit und drittens: er kommt aus dem Vogtland.

Das Gespräch verlief dann ungefähr so: Ich: „Hey, ich ziehe übrigens bald weg aus Chemnitz.“ Lukas: „Was, du bist doch erst hergezogen!“ „Ja ich arbeite drei Monate in der Lokalredaktion in Plauen. Weißt du, wo man dort gut wohnen kann?“ Lukas überlegte kurz und dann kam der Satz, der mich fast umhaute. Man bedenke: Ich kannte ihn erst wenige Wochen. Lukas sagte frei heraus: „Dann zieh doch zu meinen Eltern!“ Das nenne ich mal einen Vertrauensvorschuss.

Es blieb nicht nur bei Worten: Ein paar Wochen später fand ich mich im Wohnzimmer seiner Eltern wieder, die in einem kleinen Ort bei Plauen wohnen. Sie hätten mich auch für drei Monate aufgenommen, doch es kam noch besser: Die Eltern kannten eine Familie, die direkt in Plauen wohnt und stellten für mich die Verbindung her.

So kam es, dass ich tatsächlich ein sehr familiäres Zuhause in Plauen hatte. Es wurden drei sehr schöne Monate. Auch für einen Umzugsmuffel wie mich.


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+++ Kommt als Volo zu uns! +++

Aktuell könnt ihr euch wieder für ein Volontariat bei der Freien Presse bewerben:

Einmal für das klassische Tageszeitungs-Volo über zwei Jahre mit wechselnden Stationen im Mantel und Lokalen. Bewerbungsfrist: 23. März 2018.

Und für Netzaffine gibt’s ein Volontariat mit Schwerpunkt Online am Newsdesk in Zwickau.

Interesse? Dann schickt Lebenslauf, Arbeitsproben und Zeugnisse an:
Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG,
Personalabteilung, Brückenstraße 15, 09111 Chemnitz,
Tel. 0371 656-10180
oder
per E-Mail an personalabteilung@freiepresse.de


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Joseph Wenzel – An Bord seit Oktober 2017

Mein Weg zur Freien Presse verdanke ich einer sehr guten Freundin. Davor kamen: Abitur in Olbernhau, Studium in Dresden, Arbeit für eine NGO.

Wenn ich nicht bei der Freien Presse gelandet wäre, wäre ich wahrscheinlich auf den Mund gefallen. Denn: auch Journalismus ist ein Handwerk, das man erst lernen muss.

Mein erster veröffentlichter Artikel ist während meines Austauschjahres im Pub „The Mezz“ in mitten des  legendären Dubliner Szeneviertel Temple Bar entstanden. Er erschien – ein wenig zensiert – in der Schülerzeitung des Gymnasiums Olbernhau.

Wenn ich Chefredakteur wäre hätte die Zeitung in jeder Ausgabe ein Leserforum. Die Hauptaufgabe von Printjournalisten ist nicht schreiben, sondern: zuhören, beobachten und recherchieren. Dies gilt besonders für das Befinden und die Belange der eigenen Leserschaft.

Wen ich am liebsten mal interviewen möchte: den Schriftsteller Jack Kerouac, den Anwalt Fritz Bauer und die Journalistin Clare Hollingworth – leider sind sie alle bereits tot.

Mail an Joseph Wenzel

Twitter: @sneak_and_leak


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Nina Monecke – An Bord seit Oktober 2017

Mein Weg zur Freien Presse führte über eine ruckelige und verspätete Fahrt mit der nostalgischen Reichsbahn von Leipzig nach Chemnitz. Liebe MRB, bekommt das bitte endlich in den Griff!

Mein erster veröffentlichter Artikel war die klassische Meldung über eine Jahreshauptversammlung. Damals war ich Schülerpraktikantin bei meiner Heimatzeitung im Harz. An den Verein erinnere ich mich nicht mehr. Aber Kaffee und Kuchen gab’s bestimmt.

Wenn ich Chefredakteurin wäre, würden mehr Frauen im Politik- und Meinungsteil schreiben.

Wen ich am liebsten mal interviewen möchte: Klaus Kinski. Wer das schafft, den kann nichts mehr erschüttern. Schaut selbst!

Mail an Nina Monecke

Twitter: @ninamonecke


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Ulrike Abraham – An Bord seit Juni 2017

Mein Weg zur Freien Presse hat als Praktikantin im Buchprogramm begonnen. Dort habe ich drei Jahre lang an Texten anderer herumgenörgelt – und irgendwann Lust bekommen, selbst zu schreiben. Aber nicht gleich ganze Bücher.

Wenn ich nicht bei der Freien Presse gelandet wäre, würde ich wahrscheinlich immer noch kellnern. Gott sei Dank ist den Menschen das erspart geblieben.

Mein erster veröffentlichter Artikel hat mich Zeit und Nerven gekostet. Es ging um eine Lesereihe, von Studenten organisiert. Ich war sehr akribisch und habe bestimmt vier Stunden Interviewmaterial zusammengetragen.

Wenn ich Chefredakteur wäre, bekäme der Regionalteil viel mehr Platz.

Wen ich am liebsten mal interviewen möchte: George Orwell. Aus egoistischen Gründen. Der Mann war Hellseher oder so, ein Gespräch mit ihm wäre sicher aufschlussreich.

Mail an Ulrike Abraham

Twitter: @UllyA326

Facebook: Ulrike Abraham


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Kristin Vardi – An Bord seit August 2017

Wenn ich nicht bei der Freien Presse gelandet wäre, hätte ich nie die schöne Routine kultivieren können, mit dem Zug durch die prächtige Landschaft zwischen Leipzig und Chemnitz zu fahren, die taz lesen und dabei Cappuccino trinken zu können.

Mein erster veröffentlichter Artikel erschien in dem von mir während der achten Klasse gegründeten Magazin „Nanu“ (immerhin fünf Ausgaben und vier Mitstreiter) und war mit einem selbst gemalten rauchenden Frosch illustriert. Ich weiß nicht mehr, warum es ein Frosch war und warum der rauchte. Es ging um die „IG Schöne Menschen“, ein DJ-Trio aus meiner Heimatstadt.

Wen ich am liebsten mal interviewen möchte/interviewt hätte: Claire Denis, Maxie Wander, Clemens Meyer, Alexander Kluge, Thomas Plenert, Volker Koepp. Warum? Weil sie sich Fragen stellen, die man sich selbst nicht alle Tage stellt.


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Volos als Video-Macher

Nur Print war gestern! Heutzutage lernen angehende Journalisten bei der „Freien Presse“ crossmedial. Dazu kann auch gehören, aus einer Idee ein Video zu machen. Wie das funktioniert, haben wir an der Leipzig School of Media gelernt. Ein kleiner erster Schritt auf dem langen Weg zur wahren Meisterschaft! Um der näher zu kommen, haben Anne, Roberto und Lea einen neuen Kurzfilm gedreht. Thema: das Volo bei der „Freien Presse“. Neidisch? Dann bewerbt euch einfach selbst auf ein Volontariat! Die Ausschreibung läuft.


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Reporter, Redakteur, Volontär – Licht im Begriffs-Dickicht

VON ANNE SCHWESINGER

Ich bin Volontärin. So weit, so gut. Aber woher kommt der Begriff, der so verdächtig nach Freiwilligendienst klingt (siehe volunteer im Englischen)? Und wie ist er in deutsche Redaktionen gewandert? Apropos Redaktion: Hier sitzen Redakteure, Reporter und Journalisten an ihren Schreibtischen und hauen in die Tasten. Aber was genau bedeuten diese Bezeichnungen? Die Suche nach den feinen Unterschieden führt über den Duden bis zur Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (DJU).

Volontär

Volontärin am Schreibtisch

Manchmal recherchiere ich vom Schreibtisch aus, oft sind wir Volontäre aber auch draußen am Ort des Geschehens. Foto: Ricarda Terjung

Der Ausdruck Volontär hat laut Duden seinen Ursprung im Französischen: Das Wort volontaire bedeutet freiwillig. Jahrhundertelang war Französisch die Weltsprache der Eliten. Als im 18. Jahrhundert das Zeitungswesen erstarkte, wurden vermutlich die freiwilligen Journalistenschüler als Volontäre bezeichnet. Dieser Begriff setzte sich offenbar durch, erklärt Cornelia Hass von der DJU, die zur Gewerkschaft Verdi gehören. Heute wird man zwar auch noch freiwillig zum Azubi im redaktionellen Bereich – aber nun wird die Arbeit vergütet. Seit 1990 gibt es einen Tarifvertrag, in dem auch Dauer und Inhalte der Ausbildung empfohlen werden. Während der zumeist zweijährigen Lehrzeit arbeitet ein Volontär nicht nur in verschiedenen Redaktionen der Zeitung, sondern besucht auch Seminare.

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Anekdoten aus dem Voloalltag

VON DEN VOLONTÄREN

Kein Tag ist wie jeder andere – schon gar nicht als Volontär. An einem rast der Nachwuchsreporter vom Tierheim zum Rennwagen. An einem anderem steht er im Gericht einer Sexbombe (80!) gegenüber. Oder es hilft ihm ein Ex-Knasti. Wir haben Überraschendes, Tierisches und Rasantes gesammelt. Einfach auf die Karte klicken und ihr seid an den Tatorten.

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Im „Future Lab“ des Journalismus

VON MICHAEL KUNZE

Wohin die Reise der Zunft geht, lässt sich gut in einer Nutzwert(Ex-„Ratgeber“)-Redaktion beobachten. Viele waren schon vorher da – während meines Gastspiels tauchten aber weitere, recht grundsätzliche Fragen auf.

DRESDEN. Der Journalismus der Zukunft wird entweder für Leser, Hörer, Zuschauer von Nutzen sein – und zwar irgendwie auf Euro und Cent bezifferbar. Oder er wird nicht mehr sein. So hat das meine Chefin kürzlich nicht gesagt. Sie hat überhaupt nicht gesagt, welche Zukunft sie für den Journalismus sieht, in welcher Form, mit welchem Gestus. Danach hatte ich sie allerdings auch nicht gefragt.

Deutlich, sehr deutlich gemacht hat sie mir aber zu Beginn meiner letzten Ausbildungsstation im Volontariat, wo sie keine Perspektiven erkennt – zumindest für ihr Metier, das Printmedien-Lesern einst als „Ratgeber“ in der Kopfzeile der jeweiligen Zeitungsseite angekündigt wurde. Gaaanz laaange her ist das. Da gab es Tipps für den Garten, Kochrezepte, Kolumnen von Weinliebhabern, Hundefreundinnen, Weiterlesen