Filme, Serien, Bücher, Musik: Unsere Highlights aus 2019

Der Zahn der Zeit – wir sind immer ganz nah dran. Neuerdings sollen die Leute ja total auf Jahresrückblicke abfahren, haben wir uns sagen lassen. Deshalb sind wir Volontäre in uns gegangen und haben tief in unseren Erinnerungen an das zurückliegende Jahr gekramt. Herausgekommen sind Highlights, die uns 2019 in unserer Freizeit unterhalten haben – Filme, Serien, Musik und sogar ein richtiges Buch! Ach ja: Hier und da lauern auch ein paar Spoiler. Geniest die Texte also bitte mit Vorsicht!

Lukas‘ Highlights

Bester Film: Joker
Nicht als Drama, sondern als Komödie beschreibt Joker sein Leben. Seine Origin-Story ist aber mit Sicherheit keine Komödie. In einer Stadt, in der es keine Empathie zu geben scheint, hat der spätere Erzfeind von Batman keine Chance mit seiner Krankheit. Ständig muss er lachen, vor allem dann, wenn es gerade gar nicht passt. Auf der verzweifelten Suche nach Akzeptanz und Bestätigung findet er diese in roher Gewalt, in Anarchie. Die wundervollen Bilder von Regisseur Todd Phillips, die starke und düstere Geschichte sowie das eindrucksvolle Schauspiel von Joaquin Phoenix machen Joker zu meinem Film des Jahres.

Bestes Album: Kiox (Kummer)
Der Typ aus Chemnitz findet den Typen aus Chemnitz, der Musik über Chemnitz macht, geil. Überrascht jetzt nicht sonderlich, ist aber halt nun einmal so. Rap ist eigentlich nicht so meine Welt – zu aufgepumpt, zu selbstverliebt. Kummer ist da angenehm anders, er macht Rap wieder traurig, wie er ja selbst sagt. Nebenbei trifft er mit seinen Texten voll meinen Nerv, ob er in „Schiff“ über sein trauriges Leben in Chemnitz rappt oder in „Der Rest meines Lebens“ über seine (mit 30 Jahren rein rechnerisch arg späte) Quarter-Life-Crisis. Carsten Chemnitz hat es eben einfach drauf.

Beste Serie: Game of Thrones
Das geht ja mal gar nicht! Game of Thrones als Serie des Jahres? Wie kann er nur?! Ja, die letzte Staffel hat die über viele Jahre mühsam aufgebaute Dramaturgie mit Füßen getreten, Charaktere zerstört und ein so dummes Ende, dass fast schon Erinnerungen an das Finale der Serie Lost hochkommen. Trotzdem hat es diese Staffel geschafft, dabei immer verdammt gut auszusehen. Auch wenn es unfassbar dämlich war – der Showdown mit dem Night King war so gut inszeniert, dass ich auch jetzt noch Gänsehaut bekomme, wenn ich nur daran denke. Und dieser Soundtrack! Auch wenn also völlig zu Recht von Fans gehasst – allein für die Inszenierung trotzdem meine Serie des Jahres! Knapp dahinter folgte übrigens die großartige zweite Staffel von Dark, die ich hier nicht unerwähnt lassen will.

Sophies Highlights

Bestes Buch: Scharnow (Bela B)
Scharnow, die fiktive Stadt von der Bela B im gleichnamigen Roman erzählt, hat nicht viel zu bieten. Und dort gibt es schon gar nichts zu erleben. Bis jetzt, denn nun ereignen sich sehr merkwürdige Dinge in der kleinen Stadt. Agenten wollen eine Revolution starten, Betrunkene überfallen nackt den Supermarkt und die Polizei macht ihre Arbeit nur gelangweilt und widerwillig. Mit skurrilen und witzigen Figuren schafft es Bela B wunderbar, die scheinbare Tristesse einer Kleinstadt zu erzählen, in der Menschen aus Langeweile auf sehr komische Ideen kommen – lesenswert!

Bestes Album: Trettmann (Trettmann)
Auch das zweite Album von Trettmann mausert sich zu einem absolutem Brett und zu einer der wichtigsten Veröffentlichungen des Jahres. Neben gewohnt tanzbaren Dancehall-Tracks schafft er es auf “Trettmann” nun auch gesellschaftskritische Töne anzustimmen und seine Sicht auf die derzeitige politische Situation zu schildern (höre: Stolpersteine). Daneben finden sich wunderbare Gäste: Alli Neumann oder KeKe, die eine perfekte Ergänzung zum Musiker sind. Wie sagte es Jan Böhmermann in seinem Podcast so treffend: “Die interessanteste Musik kommt derzeit aus Sachsen.” – Anhören!

Beste Serie: Tote Mädchen lügen nicht
In der dritten Staffel von Tote Mädchen lügen nicht dreht sich die Geschichte um Bryce Walker, der Hannah Baker und andere Mädchen in den vorigen Staffeln vergewaltigt hat. Er wird ermordet – im Verdacht steht jede Folge ein anderer aus dem Freundeskreis rund um Clay Jensen. Neben den Motiven, die jeder der Protagonisten besitzt, bohrt die Geschichte noch mehr in das Innerste der Jugendlichen. Und es tun sich noch mehr Abgründe auf, als der Zuschauer schon erfahren hat. Soviel sei gesagt: Als Zuschauer weiß man bis zur endgültigen Auflösung ganz am Ende der letzten Folge selbst nicht mehr, wen man am verdächtigsten halten soll. Und auch das Ende, an dem nicht der oder die tatsächliche Mörderin öffentlich wird, lässt das Publikum leicht verwirrt, aber immer noch mit Spannung und der Hoffnung auf eine weitere Staffel zurück.

Benjamins Highlights

Bester Film: Banff Mountain Film Festival Tour
Kino. Man fläzt im Sessel, schaufelt sich Popcorn rein und spült es mit Bier runter. Und es ist warm. Anders beim Chemnitzer Freilichtkino im Juli. Es war kalt, die Bank hart. Gut, Bier gab es auch. Auf der Leinwand war die Banff Mountain Film Festival Tour zu sehen. Der perfekte Doku-Streifen gegen Selbstmitleid und Lethargie. Mehrere Kurzfilme zeigen Menschen, die raus sind aus der Komfortzone. Rajesh Magar hat sich in Kathmandu ein Mountainbike gebaut nun eine Sportkarriere vor sich. Philipp Becker und Johannes Müller sind 1.800 Kilometer von Süddeutschland nach Nizza geradelt, 35.000 Höhenmeter inklusive. Und die übergewichtige Mirna Valerio rennt in den USA Strecken weit über Marathon-Länge. Resümee: Gut gefilmte Motivation über die Schönheit des Lebens.

Bestes Album: Sampa the Great – The Return
Sampa Tembo alias Sampa the Great ist pure Power. Feministisch, smart und groovy. Die australische Rapperin mit Wurzeln in Sambia und Botswana zeigt mit ihrem Stil, dass sie an vielen Orten der Welt zuhause ist. Melbourne, San Francisco, Gaborone. Das Ergebnis sind flowige Beats, brillante Lyrics und eine Attitüde zur Gleichberechtigung. Die Single  „Energy“ aus dem Jahr 2018 hat es leider nicht auf die Platte geschafft. Doch zeigt sie mit Tracks wie „Final Form“ und „The Return“, was sie drauf hat. Gesang, Rap, alles mit einer leicht quäkigen Stimme, wie ein souliger Jan Delay mit mehr Moll im Ton. Aber dem würde der Ruf nach „Black Power“ kaum so wunderbar stehen wie Sampa the Great.

Beste Serie: The Boys
Superhelden sind toll. Sie kämpfen sie gegen das Böse in der Welt, sind Vorbild und moralische Instanz. Doch was, wenn es sie wirklich gäbe? Die Serie The Boys sagt: Sie wären moralisch degenerierte Superstars, von Bossen gesteuert. Es geht um Macht, Geld und das saubere Image. Rennt dann der dopingsüchtige Flash alias A-Train aus Versehen durch eine Frau – und bringt sie großartig inszeniert wie einen Blutbeutel zum Platzen –  ruft das Gegenreaktionen hervor. Eine humorig-gewaltverherrlichende Jagd auf die längst gefallenen Helden beginnt. Erschienen auf Amazon Prime.

Andreas‘ Highlights

Lieblingsband: Caspian Sea Monster
Bei der Chemnitzer Musikmeile 2019  trotzten sie  Regen und Wind. Wie passend für eine Band, die ihren Namen einem russischen Bodeneffektfahrzeug verdankt, das bevorzugt in geringster Höhe über der Wasseroberfläche operierte. Obwohl Caspian Sea Monster eine gefühlte Ewigkeit gebraucht hatten, um ihr Equipment an den richtigen Stellen der doch recht engen Bühne zu platzieren, war spätestens nach dem ersten Track klar: Der Aufwand, das lange Warten – Alles hat sich gelohnt. Der Sound kristallklar und bombastisch, die Songs sphärisch, opulent, manchmal nachdenklich, ohne dabei jedoch zu sehr in Depri-Stimmung abzudriften, wie es manche Progrock-Kollegen zu tun pflegen.  Wolfsheim meets early Pink Floyd. Das Chemnitzer Bandprojekt  sollten dem  selbstbetitelten Debüt von 2017 noch viele weitere Werke folgen lassen. Auf die große Bühne gehört Caspian Sea Monster sowieso. In diesem Sinne – Shine On!

Lieblingsserie: Stranger Things
Im Bett gemütlich gemacht, den Laptop rausgeholt, nun stellt sich die Frage – welche Serie darf es zum Einschlafen sein? Zumindest in diesem Sinne hat  Stranger Things sich als schlechte Wahl erwiesen. Angefixt durch den (nicht mehr verfügbaren) Netflix Trailer und dessen grandiosen Soundtrack ging die Reise zurück in die 80er Jahre. Die von einer hysterisch aufbrausenden Winona Ryder gespielte Mutter Joyce vermisst ihren Sohn Will. Der ist irgendwo gefangen zwischen den Welten, gejagt von einem Monster, dem Demagorgon. Stranger Things spielt bewusst mit 80er-Jahre-Klischees. Eine kleine Stadt irgendwo in den Staaten und eine verschworene Gruppe junger Außenseiter, die nach und nach hinter die geheimnisvollen Machenschaften einer obskuren Regierungsorganisation blickt. Stranger Things nimmt sich dabei selber nicht immer allzu erst. Das hebt die Serie wohltuend von 80er Neuinterpretationen wie den jüngsten ES-Verfilmungen ab.  

Lieblingsfilm: Green Book
Viggo Mortensen, ehemals als Aragorn in Herr der Ringe zu sehen, geht klasse auf im durchaus als Buddy-Komödie zu bezeichnenden Regiewerk von Peter Farrelly. Und das gleich im doppelten Sinne. So hat der ehemals ranke und schlanke König von Gondor nicht nur ordentlich an Hüftgold zugelegt- kein Wunder, der zweifache Vater verdrückt im Film gerne mal 30 Burger um die nächste Miete zahlen zu können. Doch nicht nur Esswettbewerbe kann er. Auch die Rolle des proletenhaften Tony Vallelonga, der sein Geld als Rausschmeißer und „Problemlöser“ verdient, ist Mortensen auf den Leib geschrieben. Doch die wahre Herausforderung heißt Dr. Don Shirley. Er ist Pianist, kultiviert, eloquent  – und schwarz. Keine gute Voraussetzung für eine Tour durch die amerikanischen Südstaaten der frühen 60er Jahre. Eben auf die soll „Problemlöser“ Vallelonga den Tastenvirtuosen begleiten. Das ist nicht nur Abenteuer, sondern auch Lerntrip. Ein dreifacher Doktor und musikalisches Genie wird erkennen, dass Leben auch Spaß machen kann. Der scheinbar einfach gestrickte Schläger lernt die Macht des geschriebenen Wortes kennen. Als die beiden gerade noch pünktlich zu Heiligabend zurückkommen, haben sie sich verändert und sind dabei ihrem wahren Selbst doch irgendwie näher gekommen.

Foto: Joshua Willson/pixabay (Montage: Lukas Fischer)

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