Alles neu macht das Quartal?

Von Lukas Fischer

Das Leben als Volontär ist nicht leicht. Ständig müssen wir unsere Schreibtische räumen, immer wieder Ein- und Ausstände geben. Einen festen Arbeitsort bekommen wir nie. Denn mit jedem Quartal geht es für uns in eine neue Redaktion. Dann müssen wir uns wieder mit neuen Kollegen anfreunden, uns in eine neue Region einarbeiten, neue Themenideen auf den Tisch legen. Aber wie machen wir das eigentlich?

Los geht das ganze Wechselritual noch in der alten Redaktion. Denn bevor wir an unseren neuen Arbeitsplatz kommen, gibt es zunächst das obligatorische Telefonat einige Tage zuvor mit dem Leiter der nächsten Station. Es ist ein erster kurzer Blick in die Arbeitswelt, die für uns dann die nächsten drei Monate zum Alltag wird. Geklärt werden die wichtigsten Fragen wie: „Ich muss erst um 10 da sein, oder?“, „Wo kann ich bei euch parken“ und „Wie sieht’s bei euch mit Mittagessen aus?“ – das wichtigste eben, was für die Arbeit notwendig ist.

Einige Tage später ist es dann soweit. Auf dem Handy wird in Google Maps die Route zur neuen Redaktion angezeigt – und die Fahrtzeit dahin. „Mist, ich bin ja jetzt schon zu spät“, ist dann oft der erste Gedanke im Auto. In der neuen Stadt angekommen wird sich dann wahlweise auf den Parkplatz des nächsten Einkaufszentrums oder eben auf den eigentlich auf eine Stunde Parkdauer begrenzten Parkplatz direkt vor der Redaktion gestellt. Im Büro angekommen wird dann zuerst der Computer hochgefahren. Da das etwas dauern kann, folgt zunächst die Vorstellungsrunde bei den Kollegen. Die sind meist freundlich, oft sogar hilfreich und entgegenkommend. Eine zusätzliche Arbeitskraft ist schließlich immer gern gesehen.

Bei den ersten Gesprächen kommt dann meist auch direkt die ersten Aufgabe: „Geh doch erstmal raus und schau dir die Stadt an“, lautet diese. Wahlweise bei -20 Grad und Schneesturm oder +40 Grad im Schatten gibt es dann einen Stadtrundgang, ohne auch nur die leiseste Ahnung zu haben, wo eigentlich was zu finden ist. Doch meist fällt dabei auf: irgendwie ist jede Stadt gleich. Da gibt es den kleinen Marktplatz der nach so vielen Jahren jetzt ja endlich wieder etwas belebt ist – sogar ein neuer Italiener hat da jetzt aufgemacht! Dann die  engen, halb leerstehenden, Ladenstraßen direkt daneben, auf denen oft zu viel Verkehr herrscht und alles vollgeparkt ist. Zu kaufen gibt es dort wahlweise Mode für ältere Damen oder Obst und Gemüse. Nach einem weiteren Abstecher zur großen Sehenswürdigkeit der Stadt – Museum, Turm oder Schloss – geht es dann wieder zurück in die Redaktion.

Dort ist der Computer inzwischen auch fertig mit hochfahren. So schön der Stadtrundgang auch war – sich in eine neue Region einzuarbeiten bedeutet trotzdem viel Arbeit. Jedes Thema, egal wie wichtig und bekannt unter den Einheimischen, ist für uns Volontäre neu. Also müssen wir uns einlesen oder uns die ganze Angelegenheit erklären lassen. Dafür gibt es meist diesen einen Stadtrat, der sich überall auskennt und ohnehin oft und gern redet. Oder den Ortschronisten. Das ist stets ein älterer Herr aus dem Geschichtsverein, der einfach alles über die Stadt weis – und das gern in stundenlangen Monologen erzählt.

Mit viel Geduld und noch mehr Zeit lernen wir Volontäre so die neue Region kennen. Wir lernen die wichtigen Themen kennen, wissen über alle guten Ansprechpartner. Natürlich dauert das. Eine ganze Weile sogar. Dafür gibt es bei uns eine alte Regel: Es dauert stets genau drei Monate, bis wir uns erfolgreich eingearbeitet haben. Drei Monate? Da war doch was… Ach ja, die nächste Redaktion wartet ja schon.

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