Frag den Volo: Wen dürfen Volontäre duzen?

Kollegen fragen, Volontäre antworten. Heute: Wen dürfen Volontäre duzen? Wie ist die Duz-Kultur im Unternehmen insgesamt? (Diese Frage hat Dietmar Bartel, Chef vom Dienst, gestellt.)

von Lea Becker

Lieber Dietmar – ich darf doch Dietmar sagen, oder doch besser Herr Bartel? Das mit der Duz-Kultur ist bei uns ja so eine Sache. Als ich vor bald zwei Jahren aus der Berliner Medienwelt zur „Freien Presse“ kam, habe ich mir das alles noch ganz einfach vorgestellt. In der Hauptstadt ist es ja so ähnlich wie bei den Genossen von der SPD: Da wird geduzt, als würde man sich seit Jahren kennen, selbst wenn man eigentlich keine Ahnung hat, wer da überhaupt vor einem steht. Das kann durchaus befremdlich sein, macht aber auch vieles einfacher.

In Chemnitz ist die Situation hingegen ungleich komplizierter. Bei der „Freien Presse“ dürfen Volontäre mehrere Mitglieder der Chefredaktion vom ersten Tag an duzen, der Kollege vom Tisch gegenüber aber besteht auch schon mal eisenhart aufs Sie. Fettnäpfchen sind bei dieser vertrackten Lage natürlich vorprogrammiert. Und in das erste trat ich natürlich, kaum dass ich hier angekommen war.

Vielleicht erinnerst Du dich ja sogar an diese schicksalhafte Mail, die ich mit denselben Worten begann wie diesen Text hier, und im Oktober 2016 an Dich sendete: „Lieber Dietmar“. Keine halbe Stunde später wollte ich dann am liebsten im Boden versinken. „Hallo Lea“, hast Du geantwortet, und dann in Klammern: „Eigentlich bin ich ja erstmal mit allen Volontären per Sie, aber da du ja nun schon so vorgeprescht bist…“ So habe ich mir also Dein Du ergaunert.

Da wir Volos ganz schön rumkommen im Unternehmen, geraten wir meist alle paar Monate aufs Neue in solche heiklen Situationen. Mit den meisten Kollegen sind wir schnell per Du, gerade bei den jüngeren stellt sich diese Frage kaum. Einige Mitarbeiter wollen dagegen lieber gesiezt werden, auch das ist für uns völlig in Ordnung. Kompliziert wird es allerdings, wenn diese Kollegen plötzlich anfangen, uns zu duzen, ohne uns im Gegenzug ebenfalls das Du angeboten zu haben. Denn dann müssen wir den äußerst komplizierten Direkte-Ansprache-Umgehungstanz vollführen. „Ich bräuchte mal Hilfe“, statt „Kannst du mir helfen?“ Oder: „Das habe ich jetzt nicht verstanden“, statt „Wie meinst du das?“

Als regelmäßige Neuzugänge in den Redaktionen sind wir daher auf euch Redakteure angewiesen. Also, liebe Kollegen, macht/machen Sie doch bitte einfach klare Ansagen!

Alle bisherigen Teile unserer Serie „Frag den Volo“ sind hier zu finden.

Ein Kommentar zu „Frag den Volo: Wen dürfen Volontäre duzen?

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  1. …schön und ganz schön kompliziert. Ist aber bei den Trainees bei der AOK PLUS nicht anders. Vielleicht, weil das auch in Sachsen ist, also weit weg von Berlin…

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