Frag den Volo: Unter welchen Zwängen steht die Zeitung?

Kollegen fragen, Volontäre antworten. Heute: In Zeiten von Lügenpresse-Vorwürfen wäre es doch aufschlussreich zu erfahren, unter welchen Zwängen die Zeitungen tatsächlich stehen. Bei der Annäherung an eine plausible Antwort wäre da aus meiner Sicht mal die Beantwortung der Frage wichtig, was es mit äußerer und innerer Pressefreiheit auf sich hat. Ziemlich schwerer Stoff, zugegeben. Aber wer Jahrzehnte in diesem Metier vor sich hat, der sollte diese Frage auch für sich persönlich beantwortet haben. (Diese Frage hat Gerd Möckel aus der Lokalredaktion Reichenbach gestellt.)

von Joseph Wenzel

Gute Frage! Denn in dieser Thematik werden oft Ansprüche gewürzt mit Erwartungen und alles in einem Topf irgendwo zwischen Recht und Ethos halbgar gekocht – so ein Brei kann nicht schmecken.

1. Das Presserecht ist unser Rahmen. Publizieren wir Falsches, muss es Raum für Gegendarstellung und Berichtigung geben. Der Begriff „Lügenpresse“ ist somit nicht tragfähig, denn er würde Vorsatz unterstellen.

2. Wir legen uns selbst ein Ethos auf, welches enger gestrickt ist, als das Presserecht. Dieses Ethos wird stänig diskutiert und ist somit wandelbar. Das gibt uns die Möglichkeit auf gesellschaftliche Entwicklungen einzugehen aber auch die Aufgabe, uns ständig zu hinterfragen, wo die Grenzen des Sag- und Berichtbaren liegen.

3. Die Äußere Pressefreiheit ist der Anwalt der Demokratie. Demzufolge hat sie nicht nur genauso viele Gegner, sondern sie wird zudem auch noch zur Angriffsfläche der Feinde einer freiheitlichen Gesellschaftsordnung. Die Agitation gegen eine kritische Berichterstattung reicht vom Versuch der subtilen Einflussnahme durch Vergünstigungen (zum Beispiel durch diverse Unternhemen) bis hin zur physischen Gewalt (zum Beispiel durch Bürger, die ihre Besorgnis nicht anders artikulieren können). Alles schon erlebt. Trotzdem behaupte ich: Verglichen mit anderen Ländern lebt man selbst in Sachsen als Journalist recht sicher.

4. Innere Pressefreiheit bedeutet, dem Chef nicht 3. erklären zu müssen.

5. Der objektive Journalist ist, genauso wie der objektive Leser, nur ein Anspruch. In der Realität sind beide interessengeleitete Individuen.

Alle bisherigen Teile unserer Serie „Frag den Volo“ sind hier zu finden.

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