Der Volo-Blog der Freien Presse

Jetzt erzählen die Nachwuchsredakteure

Und den Oskar bekommt…

Hinterlasse einen Kommentar

Zum elften Mal wurden am vergangenen Wochenende Sachsens beste Schülerzeitungen mit dem Jugendjournalistenpreis ausgezeichnet. Julia Keller saß für die „Freie Presse“ in der Jury – und hat herausgefunden, dass die Arbeit in der Nachwuchsredaktion den Weg zum Traumberuf ebnen kann.

VON JULIA KELLER

Vor einem Jahr hat Tom Solbrig noch selbst im Publikum gesessen und sich voller Spannung gefragt, ob seine Schülerzeitung zu den besten des Freistaats zählt, ob die Redaktion eine der Trophäen namens Oskar mit nach Hause nehmen darf.  Bei der diesjährigen Preisverleihung des Sächsischen Jugendjournalistenpreises steht Tom Solbrig in Leipzig auf der Bühne, gemeinsam mit Jörg Flachowsky, der als Redaktionsleiter bei dem Verlag für Kinder- und Jugendkommunikation „Jungvornweg“ arbeitet. Gemeinsam müssen sie sich von Moderatorin Lydia Herms mit Fragen löchern lassen – stellvertretend für alle insgesamt 15 Jurymitglieder, die in diesem Jahr entschieden haben, welche der 82 eingereichten sächsischen Schülerzeitungen preiswürdig sind.

Oskar, der Award des Sächsischen Jugendjournalistenpreises

Die Oskars warten gespannt auf ihre Preisträger. Foto: Julia Keller

Tom Solbrig ist Mitglied der Jurygruppe, die 26 Grundschul-Zeitungen gelesen und bewertet hat. „Es ist schön zu lesen, dass sich so viele mit dem schwierigen Thema Pegida beschäftigt haben“, sagt er. Oft sei die Auseinandersetzung damit sehr differenziert. Doch Schülerzeitungen sollten nicht nur gesamtgesellschaftliche, sondern auch Schulthemen enthalten, erklärt Tom Solbrig. Er ist 18 Jahre alt und hat gerade sein Abi in der Tasche. An seiner Schule, dem Vitzthum-Gymnasium Dresden, gründete er die Schülerzeitung „Vitzional“ mit. „Bei Schulthemen kommt die Recherche aus erster Hand. Da ist man richtig Reporter“, erklärt er. Tom Solbrig haben es kritische Themen angetan. Mit einem Satiretext über Geldverschwendung an seiner Schule belegte er 2014 in der Kategorie Einzelautor den ersten Platz beim Sächsischen Jugendjournalistenpreis. Mit einem Artikel über die Auswirkungen der EU-Fischfangquoten auf kleine Fischereibetriebe erschrieb er sich Rang eins für die beste Reportage beim Schülerzeitungswettbewerb des „Spiegel“.

Tom Solbrig, Lydia Herms und Jörg Flachowsky (von links)

Moderatorin Claudia Herms löchert bei der Preisverleihung die Jurymitglieder Tom Solbrig (links) und Jörg Flachowsky. Tom Solbrig findet an den Zugriffszahlen beim Schülernewsletter der „Zeit“ vor allem interessant, zu sehen, welche der empfohlenen Texte am häufigsten aufgerufen werden: „eher nicht die politischen Themen, sondern die Texte, die sich eher mit dem täglichen Leben auseinandersetzen“. Foto: Julia Keller

Der Längere Hebel der Lehrer

Nicht alle Schülerjournalisten trauen sich, kritische Themen anzusprechen, erklärt Claudia Hammermüller. Sie ist stellvertretende Vorsitzende des Vereins „Jugendpresse Sachsen“, der am Wochenende zum elften Mal den sächsischen Schülerzeitungspreis verlieh. Schüler fürchten mitunter, „den längeren Hebel ihrer Lehrer“, erklärt Claudia Hammermüller. Dabei gehört es aus ihrer Sicht zu den wichtigsten Funktionen einer Schülerzeitung, dass die Autoren darin auch die Interessen ihrer Gruppe – der Schüler eben – vertreten. Dass sie sich mit Missständen in der Gesellschaft und an der eigenen Schule auseinandersetzen. Auch die Anleitung der Schülerredaktionen ist ihrer Meinung nach längst nicht immer optimal. „Wir würden uns eine viel stärker journalistisch ausgelegte Betreuung wünschen, stärker differenzierte Darstellungsformen zum Beispiel und rechtliches Wissen der betreuenden Kräfte und Redakteure, etwa zu Fotorechten“, sagt sie. Die Jugendpresseverbände in Deutschland bieten zu diesen und anderen Themen Workshops an. „Diese waren in Sachsen im vergangenen Jahr nur leider fast nicht nachgefragt“, so Claudia Hammermüller.

„Die Betreuung ist das A und O“, sagt auch Tom Solbrig. Die Idee, das „Vitzional“ zu gründen, hatte er nach seinem Schülerpraktikum in der neunten Klasse. Damals arbeitete er zwei Wochen lang in der Sportredaktion der „Sächsischen Zeitung“. Der Journalismus machte ihm so viel Spaß, dass er damit weitermachen wollte. Eine Gruppe von etwa fünf Schülern versuchte es zunächst ohne Lehrer. Doch der Erfolg kam erst mit einer Betreuungslehrerin. 2013 schaffte es das „Vitzional“ auf Platz 2 des Sächsischen Jugendjournalistenpreises. 2014 war das Blatt das beste in der Kategorie Gymnasium, Tom Solbrigs Satire der beste Artikel und auch das beste Foto wurde vom „Vitzional“-Fotografen geschossen. Der Ruhm war aber nur von kurzer Dauer. Vor einigen Monaten standen die „alten Hasen“  kurz vorm Abi und gaben die Geschäfte aus der Hand. Der Redaktionsnachwuchs konnte sich nicht einigen, ob man eine Online- oder eine Printzeitung herausbringen wolle. Nun machen die Vitzthum-Schüler erst einmal gar keine Schülerzeitung mehr. Damit sind sie schon etwa die vierte Zeitung, die  an dem Dresdner Gymnasium gestorben ist, erzählt Tom Solbrig.

Tom Solbrig nach der Preisverleihung vor der "Villa Ida" auf dem Mediencampus Leipzig.

Tom Solbrig nach der Preisverleihung vor der „Villa Ida“ auf dem Mediencampus Leipzig. Der Abiturient war in diesem Jahr Jurymitglied und gab einen Workshop. Foto: Julia Keller

Hilfe beim Karrieresprung

Der Fall der Dresdner Schule ist nicht ungewöhnlich, erklärt Claudia Hammermüller. „Viele Schülerzeitungen scheinen eine Art Lebenszyklus mit einer bestimmten Redaktion zu haben, die sich sehr engagiert, und ruhen danach erst einmal, um irgendwann wiederbelebt zu werden.“ Generell hätten einige Schülerzeitungen mit häufig wechselndem Personal zu kämpfen, fügt Babette Pohle hinzu, die ebenfalls zu den Organisatoren des Sächsischen Jugendjournalistenpreises gehört.

Für Tom Solbrig war die Schülerzeitung ein Türöffner. Seit Oktober schreibt er abwechselnd mit einer weiteren ehemaligen Schülerredakteurin den Schülernewsletter der „Zeit“. Darin macht er jungen Lesern die Themen der Wochenzeitung schmackhaft. Auch während seines Freiwilligen Sozialen Jahres will er schreiben. Er hat sich bei der „Aktion Zivilcourage“ beworben und möchte für deren Magazin arbeiten. Danach will er Onlinemedienmanagement oder Medien- und Kulturmanagement studieren. Die Städte, die er dafür ins Auge fasst: Köln, Stuttgart, Erfurt, Leipzig, Kiel, Hamburg und Düsseldorf.

Die Sieger

Grundschule

1. Platz: „Der Schulhirsch“, 59. Grundschule „Jürgen Reichen“ Dresden

2. Platz: „Der Elbling“, 41. Grundschule „Elbtalkinder“ Dresden

3. Platz: „Bachkurier“, Anna-Magdalena-Bach-Schule Leipzig

Förderschule

1. Platz: „Quer-Denker“, Schule am Stadtpark Limbach-Oberfrohna

2. Platz: „Vogelscheuche“, Werner-Vogel-Schule Leipzig

3. Platz: „Der Buchfink“, Hort an der Schule für Erziehungshilfe Dresden

Ein "Oskar" bleibt nicht gern allein.

Ein Oskar bleibt nicht gern allein. 82 sächsische Schülerzeitungen haben in diesem Jahr um ihn gewetteifert. Foto: Julia Keller

Oberschule

1. Platz: „Kreuz & Quer“, Freie Christliche Schule Schirgiswalde

2. Platz: „Blitzlicht“, Oberschule Kamenz

3. Platz: „Teenager News“, Oberschule Leubnitz

Gymnasium

1. Platz: „Crux“, Evangelisches Kreuzgymnasium Dresden

2. Platz: „Schulz“, Gotthold-Ephraim-Lessing-Gymnasium Kamenz

3. Platz: „RISS“, Hans-Erlwein-Gymnasium Dresden

Beste Einzelbeiträge von Autoren im Alter von 6 bis 14

1. Platz: Luca P. Führer: „Haustiere“, erschienen in: „Der Elbling“, 41. Grundschule „Elbtalkinder“ Dresden

2. Platz: Yorick Meisel: „Wie wird man Journalist?“, erschienen in: „Bachkurier“, Anna-Magdalena-Bach-Schule Leipzig

3. Platz: Lilly Fritzsche und Vincent Koch: „Schatzi, wir brauchen noch die Mütze!“, erschienen in: „Das HOrGAn“, HOGA-Schulen Dresden

Beste Einzelbeiträge von Autoren im Alter über 14

1. Platz: Nadia Metzkow: „Tagebucheintrag 1 von Valerie“ und „Tagebucheintrag 2 von Valerie“, erschienen in: „Das HOrGAn“, HOGA-Schulen Dresden

2. Platz: Friederike Teller: „Das Land hinter der Medienmauer“, erschienen in: „Quer“, Evangelisches Schulzentrum Leipzig

3. Platz: Dennis Pieter: „In jedem Krieg stirbt die Wahrheit zuerst“, erschienen in: „Das HOrGAn“, HOGA-Schulen Dresden

Förderpreis Berufsschule

„Spot(t)light, BSZ für E/T/W, Annaberg-Buchholz

Förderpreis Online

ehrenberg.medienportal.org, Christian-Gottfried-Ehrenberg-Gymnasium Delitzsch

Förderpreise Aufsteiger

„Das HOrGAn“, HOGA-Schulen Dresden

Sonderpreis Foto

Julia-Jette Lang und Annika Köhler: „HOloGrAmm mit Frau Dr. Krondorf“, erschienen in: „Das HOrGAn“, HOGA-Schulen Dresden

Der Saal auf dem Mediencampus Leipzig war fast bis auf den letzten Platz gefüllt.

Der Saal auf dem Mediencampus Leipzig war fast bis auf den letzten Platz gefüllt. Musiker Juraj musste spontan einspringen, weil der gebuchte Künstler kurzfristig absagte. Foto: Robert Weinhold/Jugendpresse Sachsen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s