Der Volo-Blog der Freien Presse

Jetzt erzählen die Nachwuchsredakteure

Der rasende Reporter-Nachwuchs

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Von der Redaktion

Wir Volos der „Freien Presse“ sind Kinder der 90er Jahre. Die Hörspielkassetten von Benjamin Blümchen waren nicht nur super, um lange Autofahrten mit der Familie erträglicher zu gestalten – sie taugten auch zur frühkindlichen Berufsorientierung. Insbesondere eine Figur ist in hohem Maße verantwortlich für unseren Werdegang: Karla Kolumna – die rasende Reporterin. Betrachtet man unsere Bußgeld-Bilanz hat uns die Geschwindigkeit von Karlas knatternder Vespa wohl besonders beeindruckt. Eine kollektive Beichte.

Zuerst soll festgehalten werden: Bußgelder haben ihren Sinn und Zweck, und wer sich an die StVO hält, hat auch nichts zu befürchten. Wir sind uns unserer Schuld bewusst und möchten unsere Vergehen durch diesen Beitrag weder verharmlosen noch beschönigen. Vor allem aber möchten wir nicht als schlechtes Beispiel vorangehen. Und dennoch: Seit wir Volontäre sind, ist die Anzahl der Strafzettel und Blitzer-Fotos exorbitant gestiegen. Viele von uns waren auch davor schon Autofahrer – und unbeschriebene Blätter. Doch seitdem wir von Termin zu Termin und quer durch Erzgebirge, Vogtland, Mittelsachsen und Westsachsen düsen, ist alles anders geworden. „Ich hab‘ ein schönes Bild von dir bekommen“, schreiben uns unsere Eltern immer häufiger per SMS. Oder unsere Liebsten schmieren uns das neueste Vergehen morgens aufs Butterbrot. Gesegnet sind die, deren eigener Name im Zulassungsschein steht. Wenigstens die öffentliche Schmach bleibt ihnen erspart und sie können sich im Stillen aufregen. Lange Zeit dachte sich jeder von uns: „Nur ich bin der Depp.“ Bis wir feststellten: Es ist ein volonteus-kollektives Problem. Fast alle von uns sind davon betroffen, und in der Gruppe beichtet es sich schließlich leichter. Deswegen haben wir uns zu diesem Schritt entschieden.

Parktickets gibt's auch preisgünstiger zu erwerben. Hier: Aue, Anton-Günter-Platz

Parktickets gibt’s auch preisgünstiger zu erwerben. Hier: Aue, Anton-Günther-Platz. Foto: J. Lappert

Die Strafzettel:

Ohne Parkschein oder Parkscheibe geparkt, zu lange geparkt, in der falschen Richtung geparkt, auf dem falschen Platz die Karre abgestellt. Gründe für einen Strafzettel gibt es viele. Manchmal passiert es, weil man nur ganz schnell zum Termin muss und dann doch länger braucht als gedacht. Manchmal findet man einfach nichts anderes und muss sich ganz bewusst irgendwo hinstellen, obwohl man weiß, dass es nicht erlaubt ist. Manchmal legt man ein Presse-Schild hinter die Windschutzscheibe, um der Politesse zu signalisieren, dass man im Einsatz ist – und es passiert trotzdem. Oder gerade deshalb. Rekord für das schnellste Knöllchen: fünf Minuten in Aue direkt vor der Redaktion. Kuriosestes Knöllchen: Der Wagen wurde in einer regulären Parkbucht, aber gegen die Fahrtrichtung abgestellt (10 Euro). Das Kuriose waren der Ausstellungstag und die Ausstellungszeit der Knolle: freitags an einem Brückentag um 21.12 Uhr. Insgesamt mussten wir in knapp einem Jahr 370 Euro für Parktickets der besonderen Art bezahlen.

Verkehrssünden

Grüße nach Hause oder direkt hinter der Windschutzscheibe. Foto: J. Lappert

Die Blitzerfotos:

Es gibt Blitzer, die kennt jedes Kind – nur eben nicht der Volo, der nichtsahnend und die richtige Straße suchend durch Südwestsachsen cruist. Man erkennt ihn am Navi, das dann meist mal wieder runtergefallen ist und an dem dümmlich-suchenden Blick. In der Regel ist er zum ersten Mal an diesem Ort – und, ja, es kann sehr, sehr viele erste Orte geben. Oder natürlich man ist bewusst zu schnell unterwegs. Weil die Pressekonferenz nun mal nicht auf einen wartet und, zack, gibt’s einen Gruß in Fotoform an Mutti und Vati in der Ferne. Dümmstes Blitzerfoto: Noch am Vormittag liest Volo XY in der „Freien Presse“ vom Blitzmarathon. Wie es sich für eine gute Lokalausgabe gehört, wurde das Thema lokal runtergebrochen. Eine Bildnachricht mit dem Blitzer vor Ort ist es geworden. Volo XY liest diese Bildnachricht auch. Und fährt auf dem Heimweg trotzdem in die Falle. Schlimmster und teuerster Blitzer: Der Rot-Blitzer an der Weststraße in Chemnitz. Foto-Sünden gesamt: 315 Euro.

Die Verkehrskontrolle:

Sorgt immer wieder für Bauchschmerzen. Und manchmal wird es dann teuer. Auch wenn man wirklich alle Register zieht. Kostenfaktor: 25 Euro. Eine Episode in der Kategorie „Man kann es ja mal versuchen“: Die Auer Innenstadt ist ein Labyrinth aus Einbahnstraßen. Links abbiegen? Verboten! Dann stattdessen an der nächsten rechts und wieder auf die Hauptstraße? Ebenfalls verboten! Vom Parkplatz nach rechts weg? Denkste! Stattdessen sah ich mich jeden Abend gezwungen, einen weiten Umweg durch ein Gewirr aus Nebenstraßen zu fahren, wenn ich nach Hause fahren wollte. An einem Abend hatte ich es eilig. Also bog ich einfach nach rechts ab, entgegen der Einbahnstraßen-Regelung, um dann nach etwa 30 Metern auf die Hauptstraße zu kommen. Um mich rum war alles finster; dass mir zwei Scheinwerfer entgegen kamen, sah ich. Dass die zu einem Polizeiauto gehörten, nicht. Kaum abgebogen, leuchtete es hinter mir blau auf. Meinen die mich? Mal lieber anhalten. Sofort kam ein Polizist an meine Fahrertür und verlangte von mir den Führerschein und den Personalausweis. Ob ich eine Idee hätte, welchem Vergehen ich mich schuldig gemacht habe, fragte er. Ich stellte mich dumm. Nach der Belehrung über Einbahnstraßen und deren Benutzung versuchte ich, den jungen Beamten zu besänftigen. Ich würde mich ja nicht auskennen, sei erst seit einer Woche in Aue und er könnte doch bitte, bitte, BITTE mal ein Auge zudrücken, erklärte ich mit meiner süßesten Mädchenstimme und lächelte ihn breit an. Keine Reaktion. Stattdessen: „Das macht dann 25 Euro Bußgeld. Wollen Sie gleich bezahlen oder überweisen?“. Ich wurde sauer. „Nein, Sie bekommen von mir kein Geld. Ich will es überweisen“, sagte ich schnippisch. Ich verabschiedete mich mit dem Hinweis, dass mir selten jemand so den Feierabend verdorben hat.

Innerhalb eines Jahres haben wir wohl knapp ein halbes Volo-Gehalt für unsere Sünden bezahlen müssen. Und, ja, nach dem Text ist uns ein wenig leichter ums Herz. Bis zum nächsten Mal.

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