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Junge Journalisten in Frankreich lassen sich nicht einschüchtern

Ein Kommentar

Von Tanja Goldbecher

"Je suis Charlie" zeigt die Solidarität mit den getöteten Journalisten von "Cherlie Hebdo". Foto: Hugo Flotat-Talon

„Je suis Charlie“ zeigt die Solidarität mit den getöteten Journalisten des Satiremagazins „Cherlie Hebdo“. Foto: Hugo Flotat-Talon

Französischer Journalist Hugo Flotat-Talon, Foto: H.F-T.

Französischer Journalist Hugo Flotat-Talon, Foto: H. F-T.

Hugo Flotat-Talon studiert Journalismus in Tours in Frankreich. Er arbeitet für verschiedene Radiosender wie France Bleu in Belfort oder RCF, ein lokaler Radiosender in Tours. Von September 2013 bis Juli 2014 hat er in Chemnitz gelebt und als Sprachassistent Französisch unterrichtet. Der 21-Jährige berichtet, wie Journalistenschüler in Frankreich auf den Terroranschlag in Paris reagieren.

 

 

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Schweigeminute in Tours, Foto: Hugo Flotat-Talon

1. Wie haben junge Journalisten in Frankreich auf den Terroranschlag bei „Charlie Hebdo“ reagiert?

Hugo Flotat-Talon: Ich war am Mittwoch gegen 12 Uhr bei einem Jurakurs in der Journalistenschule in Tours. Auf einmal schaute jemand auf sein Handy. Die Lehrerin bat ihn, es wegzulegen. Aber er sagte einfach: „Jemand hat bei Charlie Hebdo geschossen.“ Alle Studenten suchten sofort im Internet nach den Nachrichten. Es gab schon viele Tweets bei Twitter. Uns wurde klar, dass etwas sehr schlimmes passiert ist. Die Lehrerin unterbrach dann ihren Unterricht. Während der Mittagpause war die Stimmung angespannt. Man konnte viele Studenten hören, die über diesen Angriff sprachen. In vielen Räumen liefen Fernseher, die aktuelle Nachrichten zeigten. Am Nachmittag sind die Informationen deutlicher geworden: Die ersten Namen wurden veröffentlicht und wir waren einfach total schockiert.

 

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Journalistenschüler aus Tours, Foto: Julie Roeser

2. Habt ihr in eurem Studiengang darüber diskutiert?

Wir haben natürlich viel über den Terroranschlag gesprochen. Es gab aber nichts Konkretes, worüber wir diskutiert haben. Aber am Mittwoch und am Donnerstag sprachen die Studenten und die Lehrer vor und nach den Kursen sowie während der Pausen ständig darüber. Am Mittwoch organisierten die Studenten spontan ein Treffen, um ein Gruppen-Foto mit Schildern „Je suis Charlie“ oder Bildern von „Charlie Hebdo“-Ausgaben zu machen. Die Fotos wurden danach im Internet gepostet. Und dann, am Ende des Nachmittags haben wir bei  Facebook und Twitter gesehen, dass eine Kundgebung im Zentrum von Tours stattfinden sollte. Wir fuhren also einfach alle ins Zentrum. Es war beeindruckend: Wir waren zwischen 2500 und 4000 Menschen dort. Es war sehr ruhig, die Leuten diskutierten leise. Viele hatten ein Blatt, auf dem „Je suis Charlie“ geschrieben war, bei sich. Anderen hielten einen Stift in der Hand. Der ergreifendste Moment war, als plötzlich alle Leute geklatscht haben.

Heute hatten wir eine Radio-Sendung und wir haben das Programm spontan geändert: Ein Arzt sollte kommen, um über einen Streik zu sprechen. Wir haben ihm abgesagt und unser Gast war schließlich der ehemalige Präsident des Vereins „Reporter ohne Grenzen“ und wir haben mit ihm über den Angriff gesprochen.

Sind Journalistenschüler von dem Vorfall eingeschüchtert?

Solidarität junger Journalisten in Tours, Foto: Hugo Flotat-Talon

Solidarität junger Journalisten in Tours, Foto: Hugo Flotat-Talon

Ich glaube nicht, dass die Studenten Angst haben. Wahrscheinlich waren die Angehörigen der Studenten mehr besorgt als sie selbst. Ich habe Nachrichten von Freunden aus Frankreich und Deutschland und von meiner Familie bekommen. Sie schreiben einfach: „Wir denken an euch. Seid vorsichtig“. Es gibt aber keine Panik. Ich habe heute mit unserem Fotografen von der Journalistenschule und anderen Studenten gesprochen. Ihre Meinung war eindeutig: „Wir müssen unseren Job weitermachen“.

 

 

Ein Kommentar zu “Junge Journalisten in Frankreich lassen sich nicht einschüchtern

  1. Journalisten sollten nach den Angriffen auf das Satiremagazin und die darauffolgenden Drohungen nicht ihre Meinungs- und Pressefreiheit aufgeben! Berichterstattung ist unsere Aufgabe, natürlich ist es immer eine Gradwanderung, aber das ist es wert! [Anmerkung der Red.: Kommentar gekürzt; Bitte keine Werbung für andere Blogs]

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