Der Volo-Blog der Freien Presse

Jetzt erzählen die Nachwuchsredakteure

Das ABC des Lokal-Journalismus

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Von Christoph Pengel

Grabstein, Handtuch, Schusterjunge – was hat das mit Zeitungen zu tun? In unseren Redaktionen herrschen seltsame Sprechweisen. Ein kleines Lexikon.

A wie Aufmacher: Der Hauptartikel, der eine Seite optisch und inhaltlich dominiert. An prominenter Stelle platziert, „macht“ er die Seite „auf“. Warum es noch keine „Aufmacherin“ gibt, wird im Betriebsrat derzeit heftig diskutiert. Eine Quote ist im Gespräch. Zur Debatte stehen auch die alternativen Varianten „Aufmacher_In“ oder das geschlechtsneutrale „Aufmachendes“.

Die drei Hauptkomponenten einer Seite: Aufmacher (grün), Keller (rot), Handtuch (violett)

Die drei Hauptkomponenten einer Seite: Aufmacher (grün), Keller (rot), Handtuch (violett)

G wie Grabstein: Wenn lokale Veranstalter wüssten, dass wir ihre Termine zu Grabe tragen, noch bevor wir darüber berichten! Der Begriff „Grabstein“ ist ein Beispiel dafür, dass sich Print-Journalisten oft stärker von der Form statt vom Inhalt leiten lassen. Denn nur rein äußerlich und mit viel dunkler Phantasie erinnert die Reihe rechteckiger Kästen auf unserer Wohin-Seite an einen Friedhof. Sie handeln aber nicht von der Vergangenheit, sondern von künftigen Veranstaltungen. Negative Gefühle wecken sie nur dann, wenn sie kurz vor Redaktionsschluss noch unbeschriftet sind.

Ein dunkles Fantasie-Produkt: Der Grabstein.

Ein  finsteres Fantasie-Produkt: Der Grabstein.

 

H wie Handtuch: Sie haben sicher schon mal Lebensmittel in Zeitungspapier eingewickelt. Vielleicht auch nasse Schuhe – zum Trocknen – mit dem Anzeigenteil der „Freien Presse“ vollgestopft. Aber haben Sie die Zeitung schon mal als Handtuch benutzt? So nennen unsere Redakteure die äußerste rechte Spalte einer Seite.

Bislang ist das nur ein bildliches Gedankenspiel – wieder so ein Form-Inhalt-Ding. In der Praxis hat das noch keiner ausprobiert. Leser, die für uns freiwillig den Test machen, können ihre Probe-Exemplare an volo@freiepresse.de senden. Bitte getrocknet und in pdf-Format. Gewinner mit den schönsten Einsendungen erhalten einen „Freie-Presse“-Handtuch-Halter oder einen Dauer-Grabstein (siehe Buchstabe G) mit ihrer favorisierten Werbung.

K wie Keller: Nein, das hat nichts mit sinkenden Auflagen zu tun. Der Keller ist ein fundamentaler Baustein in der Architektur unserer Zeitung. Er bildet die unterste Etage einer Seite und nimmt eine Breite von mindestens drei Spalten ein.

 

 

Schusterjunge

S wie Schusterjunge: Versteckt sich gern in Kellern, ist aber auch schon in Aufmachern gesichtet worden. Wenn eine einzelne Zeile so aufliegt, wie im Bild zu sehen, sprechen Redakteure von einem Schusterjungen. In der Regel machen wir kurzen Prozess mit solchen Rotzlöffeln. Oft verscheuchen wir ihn, nur damit er an anderer Stelle wieder auftaucht. Wie auf dem Jahrmarkt, wo man mit einem Klöppel auf einen Teufel einschlägt, der seinen Kopf aus Loch 1, 2 oder 3 herausstreckt. Wie es der Schusterjunge immer wieder aufs Neue schafft, in unser System einzudringen, ist unbekannt.

 

 

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