Der Volo-Blog der Freien Presse

Jetzt erzählen die Nachwuchsredakteure

Bis Mitternacht nah dran am Geschehen – Landtagswahl in Sachsen

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Von Franziska Pester

Am Sonntag wurde in Sachsen ein neuer Landtag gewählt. Die „Freie Presse“ hat über den Verlauf der Wahl und die Ergebnisse berichtet. Heute morgen konnten die Leser am Frühstückstisch in der Zeitung lesen, welche Partei im Landtag in den nächsten Jahren die Mehrheit stellt und welche Politiker den Einzug ins Parlament geschafft haben. Für die Redakteure der „Freien Presse“ bedeuten Wahlen lange aber auch spannende Arbeitstage. Volontärin Franziska Pester gewährt einen Blick hinter die Kulissen.

Am Morgen nach der Landtagswahl in Sachsen hält Franziska Pester die Zeitung mit der Wahlberichterstattung in den Händen. Die letzten Artikel sind erst wenige Stunden zuvor fertig geworden. Foto: Toni Söll

L wie langer Arbeitstag. Wenn nach Mitternacht in den Redaktionsräumen der „Freien Presse“ noch Licht brennt, dann kann das zweierlei bedeuten: a) eine Katastrophe, welcher Art auch immer, ist eingetreten oder b) es ist Wahl. Gestern blieben wir von der Katastrophe verschont und berichteten über die Landtagswahl in Sachsen. Am nächsten Morgen wollten die Leser wissen, welche Partei die meisten Stimmen bekommen hat, welche Politiker ins Parlament einziehen und wer seinen Platz räumen muss. Deshalb müssen wir Journalisten warten, bis alle Stimmzettel ausgezählt sind, bevor wir mit dem Schreiben unserer Artikel beginnen können. Die letzten Ergebnisse kamen am Sonntag gegen 23 Uhr. Bis dahin haben wir Prognose und Hochrechnungen beobachtet, mit Politikern und Wahlleitern gesprochen. Dann war Eile geboten. Denn wir hatten nur eine anderthalb Stunde, um die Zeitungsseiten ins Druckhaus zu schicken.
Awie Andruckzeit. Normalerweise laufen die großen Druckmaschinen im Druckzentrum der „Freien Presse“ ab 23 Uhr auf Hochtouren. Dann muss die Zeitung fertig sein. Nicht so an einem Wahlabend. Da alle Kollegen aus Erfahrung wissen, dass die letzten Wahlergebnisse erst sehr spät kommen, haben wir an so einem besonderen Tag die Andruckzeit verschoben. Am Sonntag musste die letzte fertige Zeitungsseite erst 0.40 Uhr ans Druckhaus gesendet werden.
N wie NPD. Die Wahlkreise, die erst gegen 23 Uhr ihre vorläufigen Endergebnisse lieferten, waren entscheidend: Die NPD hat den erneuten Einzug in den sächsischen Landtag knapp verfehlt. Vorläufiges Endergebnis: 4,95 Prozent. So manchem Kollegen wirbelte diese Wendung den Plan für die Wahlberichterstattung durcheinander. Hatte er in seinem Artikel doch schon sämtliche Politiker darüber schimpfen lassen, dass die NPD es erneut in den Landtag geschafft hat. Doch es half alles nichts. Der komplette Text musste neu geschrieben werden.
Dwie Direktmandate. Die spannende Frage: Der Spitzenkandidat welcher Partei holt in den Wahlkreisen, über welche die Zeitung berichtet, das Direktmandat? Ein kurzes Interview nach Bekanntgabe des vorläufigen Wahlergebnisses ist für jeden Redakteur, der an einem Wahlsonntag Dienst hat, Pflicht. Wer nicht zur Wahlparty gehen will, besorgt sich im Vorfeld die Handynummer und ruft an.
Twie Telefonnummern. Wer sich auf einen Wahlsonntag gut vorbereiten will, besorgt sich von sämtlichen Direktkandidaten, dem Wahlleiter und anderen Leuten, deren Einschätzungen und Bewertungen für die Berichterstattung wichtig sein könnten, Handynummern und vereinbart einen telefonischen Gesprächstermin am Wahlabend.
Awie Abendbrot. Abendbrot gegessen wird an einem Wahlsonntag im Kollegenkreis in der Redaktion. Pause muss sein.
G wie Gesamtergebnis. Das Gesamtergebnis ist interessant. Doch viele Leser der „Freien Presse“ wollen wissen, wie in ihrem eigenen Wahlbezirk abgestimmt wurde. Oder sie interessieren sich dafür, welche Partei in welchem Stadtteil die meisten Stimmen erhalten hat. Deshalb veröffentlicht die „Freie Presse“ am Dienstag nach der Wahl sämtliche Ergebnisse auf einer Sonderseite.
Swie Stimmabgabe. Auch wenn sie am Wahlsonntag arbeiten müssen, geben die Redakteure der „Freien Presse“ natürlich trotzdem ihre Stimme ab. Ich selbst war am Morgen, vor Dienstbeginn wählen. Anderen Kollegen ist das zu stressig. Sie haben ihren Stimmzettel schon vorher ausgefüllt und per Briefwahl gewählt.
W wie Wahlleiter. Er ist an einem Wahlsonntag einer der wichtigsten Ansprechpartner der Redaktion. Denn vom Wahlleiter bekommen wir Hintergrundinformationen zum Ablauf der Wahl: Gab es in irgendeinem Wahllokal Probleme? Waren alle Stimmzettel korrekt? Wann ist mit ersten Ergebnissen zu rechnen? Eine gute Zusammenarbeit ist bei der Wahlberichterstattung unverzichtbar.
A wie Absatztag. Gewählt wird immer an einem Sonntag. Das bedeutet, dass die Redakteure an einem eigentlich arbeitsfreien Tag in der Redaktion sind. Denn am Montag wollen die Leser ihre Zeitung lesen. Als Ausgleich bekommen die Redakteure einen sogenannten Absatztag. Das heißt, sie dürfen an einem anderen Wochentag zu Hause bleiben, um ihren freien Tag nachzuholen.
Hwie Homepage. Auf der Homepage der „Freien Presse“ konnten sich die Leser am Sonntag ab 18 Uhr über die Landtagswahl informieren. Die Kollegen stellten die Ergebnisse erster Hochrechnungen online und veröffentlichen nach und nach die Ergebnisse aus den einzelnen Wahlkreisen im gesamten Freistaat. Außerdem berichteten Redakteure in einem Live-Ticker über sämtliche Ereignisse rund um die Wahl: In Mittelsachsen tauchten falsche Stimmzettel auf und in Chemnitz musste ein Wahllokal umziehen. Ganz schön viel Stress für die Journalisten. Aber unsere Leser sind rund um die Uhr sofort informiert.
Lwie Landtag. In wenigen Wochen nimmt der neu gewählte Landtag seine Arbeit auf. Über die Debatten und Entscheidungen in Dresden berichten dann die beiden Dresden-Korrespondenten der „Freien Presse“. Dabei achten sie immer besonders auf die Politiker, die im Verbreitungsgebiet der Zeitung zu Hause sind. So erfahren die Leser, ob der Politiker, den sie gewählt haben, seine Wahlversprechen hält und ob er sich für die Belange seiner Heimat in der Landeshauptstadt stark macht.

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