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Don’t drink and hang around – Wie die Redaktion mit dem Alkoholverbot in der Chemnitzer Innenstadt umgeht

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VON JULIA LAPPERT

Seit einigen Wochen gilt auf den Grünflächen in der Chemnitzer Innenstadt von Montag bis Samstag, 9 bis 22 Uhr, ein Alkoholverbot. Doch woher will man für die Lokalberichterstattung wissen, wie genau das Ordnungsamt mit dem Verbot umgeht und wie streng es kontrolliert? Indem man es selbst testet…

Der junge Schreiberling muss raus, raus, raus… und im Idealfall zum Trüffelschwein mutieren. Welcher Chef mir das vor ein paar Jahren bei den ersten journalistischen Gehversuchen mit auf den Weg gegeben hat, weiß ich nicht mehr ­– aber es stimmt. Also Nase raus aus der Redaktion und Fährte aufnehmen. Und manchmal auch in den Dreck stecken, um an Informationen zu kommen. Deshalb bestand ein Vormittag in den letzten Wochen auch daraus, dass ich mich mit einer Flasche Radler auf einer Parkbank in der Chemnitzer Innenstadt niederließ. Denn genau an diesem Tag wurde auf einigen Grünanlagen in der Stadt ein Alkoholverbot eingeführt, das für viel Gesprächsstoff sorgte.

Doch was passiert denn nun, wenn man sich mit einer Flasche eines alkoholischen Getränks dort hinsetzt? Kommt das Ordnungsamt wirklich, was sagen sie zu dem Verstoß? Gibt es gleich einen Platzverweis oder wird man nur aufgefordert zu gehen? Denn ein Bußgeld kann man sich durch einen Verstoß ohnehin nicht einfangen. Der Selbsttest sollte Licht ins Dunkel bringen und so durfte ich einige sonnige Stunden draußen verbringen. Von Entspannung kann aber keine Rede sein, denn ich sollte möglichst umfangreich meine Umwelt beobachten. Schon recht früh fuhren Ordnungsamt und Polizei mit etwas Abstand zu den Sitzbänken, die offiziell zu einer Grünanlage gehören, vorbei. Passiert ist jedoch nichts. Um mich herum ruhten sich Rentner vom Einkaufen aus, jüngere Menschen frühstückten einen Snack vom Bäcker oder tranken vor Arbeit und Schule noch einen schnellen Kaffee in der Sonne. Eine Stunde verging, in der immer mal wieder Ordnungsamt oder Polizei aus der Ferne die Lage überprüften.

Offensichtlich schien ich mit meiner Flasche Radler nicht auffällig genug gewesen zu sein. Ich wechselte den Sitzplatz und plötzlich schlenderten sie den Weg entlang – zwei Mitarbeiter des Ordnungsamts. Erst wiesen sie einige Meter von mir entfernt einen Mann mit Bierflasche in die Schranken. Und machten sich dann auf den Weg zu mir. Jetzt war ich fällig – und obwohl ich wusste, dass mir nichts Schlimmes passieren konnte, schlug mein Herz schneller. Die blonde Frau wies mich freundlich daraufhin, dass ich ab heute mein Bier woanders trinken müsse. Das war’s. Nach anderthalb Stunden war der Selbsttest vorbei.

 

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