Der Volo-Blog der Freien Presse

Jetzt erzählen die Nachwuchsredakteure

Sachsenring-GP: 210.000 und ein Volo

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VON SEBASTIAN SIEBERTZ

Wenn sich einmal im Jahr Marktplätze oder Wiesen in bunte Kinderträume verwandeln, kann das nur einen Grund haben: der Jahrmarkt oder Zirkus ist in der Stadt. Leuchten in Hohenstein-Ernstthal aber die Augen vermeintlich ausgewachsener (meist) Männer, dann hat das nur wenig mit Tieren und Clowns zu tun, sondern mit dem Moto-GP-Zirkus auf dem Sachsenring. Mit ihren bunten Teamwagen, den Sponsorenzelten sowie den üblichen Fress- und Trinkständen macht der Motorradsport aus einer Rennstrecke aus Beton und Asphalt für drei Tage ein Volksfest. Rund 210.000 Menschen trieben sich am vergangenen Wochenende zwischen Oberlungwitz und Hohenstein-Ernstthal rum – dazwischen ein Volontär der „Freien Presse“. Neben der sportlichen Berichterstattung sind dem FP-Volo vier weitere nennenswerte Aspekte geradezu ins Auge gestochen beziehungsweise über den Fuß gefahren.

Achtung Moped!

Stefan Bradl Roller

Auch der einzige deutsche Moto-GP-Fahrer Stefan Bradl lässt sich mit einem Motorroller über den Sachsenring kutschieren. Foto: Sebastian Siebertz

Rennmaschinen mit aberwitzigem Pferdestärken heizen am Grand-Prix-Wochenende über den Sachsenring. Für alle Normalsterblichen ist das keine Gefahr. Die Strecke ist rund um die Uhr abgesichert. Doch außerhalb der 14 Kurven muss man auf andere Zweiräder mit weit weniger PS achten: Motorroller. Fotografen, Mechaniker mit allerlei Ersatzteilen oder sonst irgendwelche Menschen, die besonders wichtig sind, schlängeln sich mit den Gefährten durch die Massen. Ob hinter der Boxengasse oder vor den Zuschauertribünen – überall wird gehupt, Gas gegeben und wieder abgebremst. Auch in der Motorsportwelt hat übrigens der Öko-Gedanke Einzug gehalten: Einige Personen sind mit Elektrogefährten unterwegs. Doch genau die sind für den Fußgänger am Sachsenring besonders gefährlich. Ihr Summen ist anders als das Dröhnen der Benzinmotoren kaum zu hören.

 

Männerdomäne Motorsport

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„Grid Girls“ in der Boxengasse Foto: Sebastian Siebertz

Ich habe zwar keine Statistik parat, aber die meisten Zuschauer am Sachsenring waren defeinitv Männer. Und was wollen die sehen? Richtig: Schnelle Motorräder. Scherz beiseite. Zur Folklore im Motorsport gehören die „Grid Girls“. Sie stehen in der Startaufstellung mit einem Schild der Fahrernummer oder spenden den Stars mit Schirmen Schatten. Die zentrale Aufgabe jedoch ist: Gut aussehen. Dabei scheint es ein Muster zu geben. Lange Haare, noch längere Beine und möglichst wenig, wahlweise auch hautenge Textilien. Dass die naturgemäß kleinen und schmächtigen Motorradfahrer neben ihren hoch aufgeschossenen „Grid Girls“ wie Fünftklässler aussehen, scheint niemanden zu interessieren. Aber Obacht werte Männerwelt: Unter die testosterongeladene Anhängerschaft mischen sich offensichtlich immer mehr junge Frauen. Vor allem Fans zwischen 18 und 30 Jahren sind immer häufiger weiblich. Ich bin gespannt, wann der erste „Grid Boy“ am Sachsenring auftaucht.

 

Der Rossi-Effekt

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Kein durchkommen: Selbst bei nassem Wetter stehen Fans vor dem Yamaha-Wohnanhänger von Valentino Rossi. Foto: Sebastian Siebertz

Egal zu welcher Tageszeit man sich auf dem Sachsenring bewegt, an einer Stelle stößt man immer auf eine Menschentraube: Am Teamwagen von Valentino Rossi. Der Italiener ist der „One Black Penny“ unter den Motorradprofis. Nur zu vergleichen mit der einstigen Ausnahmestellung eines Michael Schumachers in der Formel 1. Oft stundenlang stehen die Fans von „The Doctor“ an den LKW-Anhängern hinter der Boxengasse, um ein Autogramm zu bekommen oder auch nur einen Blick auf den neunmaligen Weltmeister zu werfen. Ich würde es verrückt nennen, wenn ich nicht selber einen Großteil meiner Mittagspause auf Herrn Rossi gewartet hätte…

 

Spanisches Temperament

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Der Arbeitsplatz im Pressezentrum. Im Bild: (noch) entspannte Kollegen aus Spanien. Foto: Sebastian Siebertz

„Goooooooooooool“ – die Emotionen, mit denen spanische und Südamerikanische Journalisten die Tore ihrer Fußballer feiern sind bekannt (Für ein Beispiel aus Argentinien hier klicken). Da die Spanier aber bei dieser WM nicht allzu viel zu jubeln hatten, konnten sich die Journalisten ihre Emotionen offensichtlich für die Motorrad-WM sparen. Hier ist die iberische Dominanz dank Marc Marquez ungebrochen. Der Superstar gewann alle Rennen der aktuellen Saison. Ein Radioreporter schräg vor mir, litt aber nicht nur mit Marquez mit, sondern mit allen Landsmännern auf der Rennstrecke. Stürzte ein Rennfahrer, sprang der Kollege auf, fasste sich an den Kopf und steigerte die Geschwindigkeit seiner Ansprache dermaßen, dass mein Schulspanisch endgültig versagte. Das Gleiche gilt für Lobhymnen, wenn Marquez, Lorenzo oder Co. Überholmanöver ansetzten. Muss man gehört haben – ¡Fantástico!

 

Überschattet wurde das Grand-Prix-Wochenende von einem Unfall in der Qualifikation des Seitenwagenrennens. Der Beifahrer verunglückte am Samstagabend tödlich (zum Bericht der „Freien Presse“).

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