Der Volo-Blog der Freien Presse

Jetzt erzählen die Nachwuchsredakteure

Facebook: Wenn dich die Kommentarflut überrollt…

23 Kommentare

VON CORNELIA HENNERSDORF

Das erste Quartal 2014 ist rum – und ich habe mich so ziemlich jeden Tag mit komplett unterschiedlichen Themen beschäftigt. Ich habe in der Online-Redaktion gearbeitet, im Newsdesk die beliebte Klatschseite mit verrückten, kuriosen, krassen oder bewegenden Nachrichten aus aller Welt gefüllt und im Ratgeber-Ressort verschiedene Beiträge geschrieben.

Screenshot freiepresse.de

Screenshot freiepresse.de vom 28.3.2014, 22 Uhr

Am spannendsten finde ich nach wie vor die Online-Redaktion. :) Ich habe mich durch die sozialen Netzwerke soviel näher und unmittelbarer am Leser gefühlt, die ganze Nachrichtenwelt dreht sich online viel schneller als im Print und ich war manchmal acht Stunden lang wie im Rausch: Polizeimeldungen checken, Artikel wichten, Rangfolgen festlegen, Bildstrecken bauen, neue Ideen entwickeln, Strukturen überdenken, Themen beobachten, Aktionen planen, und natürlich permanent die sozialen Netzwerke Facebook, Twitter und Google+ sowie die Kommentare der Nutzer auf freiepresse.de im Auge behalten.

Ehrlicher, als einem manchmal lieb ist

Dabei habe ich aber auch gemerkt, dass der Leser längst nicht immer so tickt, wie wir Journalisten uns das vorstellen, wünschen, erträumen.  Denn: Was lesen Freie Presse-Leser eigentlich gerne? Was regt sie auf? Was berührt sie? Was langweilt sie? Die Antworten bekomme ich nun knallhart auf dem Silbertablett präsentiert: Klickzahlen schwindeln nicht. Und die Kommentare der Online-Leser und Facebook-Nutzer sind oft ehrlicher, als einem lieb sein kann.

Screenshot der Freie Presse-Facebook-Seite

Screenshot der Freie Presse-Facebook-Seite vom 28.3.2014, 22Uhr

Ich bleibe mal beim Thema Facebook: Mittlerweile hat die Freie Presse mehr als 29.000 Fans. Die Sächsische Zeitung finden rund 21.000 Leser gut, die Leipziger Volkszeitung knapp 16.500. Etwa 6000 Leser mögen die Lausitzer Rundschau, knapp 3500 Leute sind Fan vom Vogtlandanzeiger. Das sind alles Zeitungen in Sachsen. Wow, könnte man denken, 29.000 – das sind ja viele! Ja, sind es auch :) Aber nicht alle vergöttern uns (Ach nee!). Im Netz ist dem Ärger schneller Luft gemacht als im realen Leben, am Lesertelefon, per E-Mail oder Brief. Es lässt sich leichter kommentieren, diskutieren, meckern und besserwissern.

Screenshot Facebook-Post

Screenshot Facebook-Post vom 28.3.2014,  22 Uhr

Hin und wieder entwickeln sich spannende Diskussionen zu einem Artikel, den wir auf Facebook posten. So zum Beispiel hat das Thema 2015 sollen die ersten Schulen Tablet-Computer im Unterricht nutzen unterschiedliche Kommentare aus den Nutzern herausgekitzelt

Und was heißt das für uns?

Ist doch gut, wenn alle diskutieren! Das bringt Klicks, Klicks, Klicks. Ja, das dachte ich am Anfang. Bis ich im Minutentakt neue Kommentare daraufhin kontrollieren durfte, ob sie beleidigend, bedrohend, pornografisch, obszön, diffamierend, verleumdend, volksverhetzend oder rassistisch sind. Jeden. Einzelnen. Kommentar. Checken.

Da stellen sich Fragen wie: Wo liegt die Grenze zwischen „ok, geht noch“ und „geht nicht mehr“? Ab wann blende ich einen Kommentar aus? Begründe ich diesen Schritt den Kommentierenden gegenüber? In welche „Schlammschlacht“ mische ich mich – stellvertretend für die Freie Presse – ein, um ein paar Fakten klar zu stellen?

Es ist ein permanentes Abwägen. Ja oder nein. Vielleicht gibt’s nicht. Und trotzdem muss ich von Fall zu Fall entscheiden.

Die eigentliche Krux an der ganzen Sache ist aber, dass der ganze Spuk nicht mit Redaktionsschluss aufhört (mal abgesehen davon, dass es in einer Online-Redaktion eigentlich keinen Redaktionsschluss, keine Deadline gibt). Auch spät am Abend, mitten in der Nacht oder Tage nachdem der Artikel gepostet wurde, wird dieser noch kommentiert. Nur gerät er mit weiteren Facebook-Posts aus dem Auge und im laufenden Tagesgeschäft auch mal aus dem Sinn. Trotzdem ist der Anbieter einer Fanseite bei Facebook für den Inhalt auf seiner Seite verantwortlich.

Manche Themen können nicht mehr gepostet werden

Damit komme ich zum Kern des Problems: Wie soll es eine kleine Online-Redaktion mit wenigen Mitarbeitern schaffen, die Posts aller spannenden, kontroversen Themen rund um die Uhr zu kontrollieren? Die Ressourcen sind begrenzt und die Pflege des Facebook-Auftritts nur eine von vielen Aufgaben der Online-Redaktion. Die Antwort: Es können einfach nicht alle spannenden, hohe Wellen schlagenden Geschichten gepostet werden, weil die Flut der Kommentare uns regelrecht überrollen würde und wir zu nichts anderem mehr kommen, als Facebook-Kommentare zu beurteilen. Das gilt besonders bei Themen wie beispielsweise Asylbewerber, die rechte Szene oder Hartz IV. Innerhalb von wenigen Stunden schaukeln sich die Facebook-Kommentatoren gegenseitig so hoch und vertreten – oft hinter Pseudonymen versteckt – die verworrendsten, krassesten Meinungen, die sie in einer realen Diskussionsrunde vermutlich niemals äußern würden.

Screenshot freiepresse.de

Screenshot freiepresse.de vom 28.3.2014, 22 Uhr

Hier noch ein Beispiel: Anfang Januar sorgte in Freiberg die Geschichte eines Iraners für Aufsehen, der seit 17 Jahren im Asylbewerberheim lebt und trotz Zuckerkrankheit keine eigene Wohnung bekommt. Mich hat die Geschichte betroffen gemacht. Ich dachte: „Hey, das Thema wühlt auf. Das muss ich auf Facebook posten.“ Meine Kollegen, die bereits seit einigen Jahren in der Online-Redaktion arbeiten, haben mich gewarnt: „Du kannst die Geschichte gern posten, aber dann kümmerst du dich auch um die Kommentarflut.“ Geht klar, dachte ich. Und: Deshalb können wir das Thema doch nicht nicht auf Facebook teilen.

Ich habe es gepostet. Und umgehend die Quittung gekriegt.

Die Kommentare reichten von etwa „Mir doch egal, ob der was isst“, über sowas wie „Das Amt hat versagt“ oder „Krasser Fall“ bis „Warum ist der überhaupt noch da? Abschieben“ und so weiter. Die Kommentare waren immer heftiger geworden, polarisierten, schweiften auch völlig ab vom Thema, sodass wir uns entschieden haben, den Beitrag aus dem Netzwerk wieder zu entfernen. Wir konnten die Kommentarflut einfach nicht stemmen. Schade.

Aber ich habe in den zwei Monaten ein bisschen ein Gefühl dafür bekommen, was geht und was nicht. Ganz oft zählt dabei auch das Bauchgefühl oder eben die Erfahrung der Kollegen – einen Leitfaden á la „So platzierst du Themen bei Facebook richtig“ gibt es nicht. Das muss jeder Facebook-Nutzer und jede Online-Redaktion für sich selbst herausfinden.

Zum Schluss eine Frage an euch: Bei welchen Themen zuckt es in den Fingern? Was regt euch auf? Wie kommentiert ihr? Kommentiert ihr überhaupt – oder reicht ein „Gefällt mir“ als Beteiligung? Nutzt für eure Antworten einfach die Kommentarfunktion hier :)

23 Kommentare zu “Facebook: Wenn dich die Kommentarflut überrollt…

  1. Es wäre schon viel geholfen, wenn rassistische, sexistische und ähnliche Kommentare tatsächlich rigoros gelöscht würden. Nur all zu oft müssen Kommentatoren ein Höchstmaß an Menschenverachtung kondensieren, um überhaupt mal die Aufmerksamkeit der Verantwortlichen zu erregen.

  2. Da läuft doch was verkehrt. Ihr, die Redaktion, seid verantwortlich für jeden Kommentar. Im realen Leben wäre das so als wäre jemand, der seine Freunde zu einem Umtrunk in eine Bar einläd, verantwortlich für alles ist, was diese Freunde in der Bar anstellen. Was von Belästigung der Kellnerin über rassistische Kommentare zum Chinesen am Nebentisch bis zu Kneipenschlägereien reicht.
    Im realen Leben wird dieses Maß an Verantwortung nicht eingefordert. Warum auch? Die Leute sind doch selbst für das verantwortlich, was sie tun. Warum also dieses Maß an Verantwortung im Internet für Blogger, Onlineredaktionen und Foren für das, was Gäste posten?

    • Schönes Beispiel nur einen kleinen Haken gibts: die Zeitung ist nicht der Freund ,der in der Bar einlädt zu trinken, sondern eher der Barbesitzer und der schmeißt seine sich prügelnden Gäste auch für gewöhnlich vor die Tür und erteilt Hausverbote wenn sie sich rassistisch oder beleidigend gegen andere Gäste äüßern

  3. Mir geht auf die Nerven, wie sehr sich der Medienbetrieb um sich selbst zu drehen scheint – ich lehne Berichterstattung über medieninterne Fragen grundsätzlich nicht ab und halte sie ja für sehr, sehr wichtig, aber es sollte trotzdem nicht die Hauptsache sein.

  4. Und was hat das noch mit „Journalismus“ zu tun? Da verkommt eine Online-Redaktion ganz schnell zu einem moderierten Stammtisch. Dazu passt dann ja auch oben im Beitrag die Beschreibung der Arbeit: „wie im Rausch“. Was ich mir auch von einer Online-Redaktion wünschen würde: Einfach mal innehalten, tief durchatmen und vor allen Dingen ordentlich recherchieren (und nein: googeln und bei wikipedia nachschauen ist KEINE Rcherche). Was soll ich von einer „Redaktion“ halten, die sich offenkundig nicht die Zeit nimmt, auch hier und da mal einen Hintergrund auszuleuchten, ein Gespräch zu führen, sich zu informieren, sondern sich stattdessen „Scheindiskussionen“ mit uninformierten Rabauken in den Onlinekommentaren liefert? Da geht mein Vertrauen in die Kompetenz und Sachkenntnis einer Redaktion ganz schnell den Bach runter und ich greife lieber zur gedruckten Ausgabe.

    Viele Grüße

  5. Und mir geht es genau umgekehrt: Wenn die Medien den Putin-Versteher machen und über die Interessen der Bürger der Ukraine, die in der großen Mehrheit nichts anderes wollen als bürgerliche Freiheiten zu genießen, so gut wie nichts berichtet wird.

  6. Hmm… der Artikel macht mich nachdenklich. Wenn ich objektiv mein eigenes Kommentarverhalten beobachte, fällt mir ganz schnell auf, dass ich wohl selber jemand bin, der mit dabei hilft, Diskussionen klein zu halten.
    Ich lese den Artikel, habe eine Meinung dazu, lese dann die Kommentare. Dann kommt der springende Punkt: Anstatt meine Meinung zu dem Artikel zu äußern, antwortete ich in 90 % der Fälle auf einen anderen, meist polemischen Kommentar, der mich zuvor aufgeregt hat. Dadurch helfe ich, diese ganzen kleinen Nebenkriegsschauplätze am Leben zu erhalten.
    Hmm.

  7. Wie?
    .
    Dieses Kindergartenzeugs einfach nicht mitmachen.
    Glaubt mir, es geht.
    Allerdings fallen dann die D’ppen unter den Lesern weg.
    Und da ja Eure Leser alles intelligente Leute sind: kein Verlust.

  8. Meines Wissens ist es möglich, die Kommentarfunktion abzuschalten. Bei manchen Themen ist das die einzig sinnvolle Strategie. Bei Artikeln über die AfD kriechen zum Beispiel sicher die Leute aus ihren Löchern, die die AfD als Medienopfer sehen, bei Themen mit Bezug zu Asylverfahren diejenigen, die „sicher nicht ausländerfeindlich sind, aber was gegen Leute haben, die sich nicht integrieren“, bei Eurothemen die Skeptiker, die sich für intellektuell überlegen halten und den Ausstieg aus dem Euro als einzig logischen Schritt mit den geringsten Risiken sehen, eigentlich aber weder VWL studiert noch sonst eine wirtschaftliche Ausbildung haben, aber trotzdem keine andere Meinung gelten lassen.

    Ich kenne keine Nachritenseite, die einen wirklich lesenswerten Bereich für Lesermeinungen hat. Vereinzelt gibt es zwar immer gute Beiträge; vielfach ist die Beschäftigung mit Kommentaren aber Zeitverschwendung. Ich bin daher ein Fan von radikaler Moderation: Was den Anschein erweckt, sich zu weit vom Thema zu entfernen, was unsachlich ist, was fragwürdige Inhalte enthält (darunter fasse ich auch Links zu Seiten wie PI-News oder anderen Hetzseiten) sollte konsequent entfernt werden. Foren wie zum Beispiel das von Spiegel Online sind unsinnig, weil sie inhaltlich berechenbar sind und selten lesenswerte, differenzierte Beiträge enthalten. Im Zweifel sollte daher gelten: Vernünftige Moderation oder weglassen der Kommentarfunktion.

    Zur Frage: Ich kommentiere, wenn mich das Thema interessiert, ich glaube, etwas beitragen zu können und die Hürden für einen Kommentar niedrig sind, insbesondere: Keine Registrierung und kein Klarname notwendig ist. Gerne besonders dann, wenn ich glaube, dass der Artikel Sach- oder Logikfehler enthält, was selbst bei vermeintlich seriösen (Nachrichten-) Seiten erstaunlich häufig der Fall ist (Was nicht bedeutet, dass die Fehler immer unbedingt korrigiert würden; regelmäßig ist es eher so, das Hinweise auf Fehler ignoriert werden, wodurch ich mich als Leser schon frage, wie ernst die Autoren ihren Job eigentlich nehmen).

  9. das Problem ist so alt wie die Menschheit…
    http://www.lokalkompass.de/duesseldorf/kultur/galerie-der-allerliebsten-herzlich-willkommen-im-trollhaus-d212137.html

    fürs Inhaltliche sollte es redaktionelle Richtlinien geben (die man den Lesern und Nutzern auch transparant machen sollte).
    fürs Interne (wie verhalte ich als Mitarbeiter mich im Fall dass?…): konkrete Social Media-Guidelines
    für die alltägliche Forenarbeit: einen Community-Manager als permanenten Ansprechpartner
    fürs Strategische/mittelfristig: einen Social Media-Manager. natürlich GIBT es Leitfäden für Facebook & co. Nur muss man da immer am Ball bleiben. Was zB gestern noch optimal war (Text so, Foto so, Link so) ist morgen nur noch durch sponsored posts zu erreichen…

  10. Wow, könnte man denken, wie hier in der Aufzählung die Tageszeitung mit noch mehr Fans einfach unterschlagen wird. BILD kommt in Chemnitz, Dresden und Leipzig auf 35000 Fans.

  11. Idee um das Problem in den Griff zu bekommen:
    Freiwillige Moderatoren aus der Leserschaft rekrutieren. Als Dankeschön gibt es dann ein Zeitungs-Abo.

  12. Der österreichische ‚Standard‘ hat ein halbwegs vernünftig funktionierendes ’selbstreinigendes Forum‘. Die Kommentatoren dort halten die Trolle höchstselbst klein, sie waschen allen Indiskutablen konsequent den Pelz, bis die das Wiederkommen vergessen – meistens dank Spott, Witz, Ironie und Sarkasmus. Dazu aber muss man eine solche Leserschaft binden können, ein wichtiger Beleg für die Qualität einer Zeitung. Wenn nur die Daddels in einem Forum auflaufen, dann liegt es an der Machart der Zeitung. Ganz wichtig ist es auch, dass ein Forum so organisiert ist, dass Texte durch eine geschachtelte Strukturierung der Kommentarleiste direkt aufeinander Bezug nehmen können.

    Vor allem aber glauben die Redakteure dort beim ‚Standard‘ nicht, dass ihre Arbeit schon getan sei, wenn sie den Artikel glücklich verfasst haben. Dann erst beginnt nämlich die eigentliche Schreibarbeit in den Threads, der Verfasser bleibt Teil der Diskussion – und er schwingt auch den Wischmopp, wenn mal wieder jemandem nur Gülle aus den Tippfingerchen rinnt. Der ‚Liveticker‘ zur Ukraine dort bspw. war ein gelungenes Schulbeispiel, wie – vornehm ausgedrückt – die ‚Russophilen‘ und Polit-Trolle diskursiv in den Müll ihrer unseriösen Links getunkt wurden.

  13. Das erste Problem besteht doch schon darin, dass sich die Online-Redaktion als moralische Instanz positioniert.
    „beleidigend, bedrohend, pornografisch, obszön, diffamierend, verleumdend, volksverhetzend oder rassistisch“

    Jetzt gleichen wir das einmal mit dem StGB ab:
    Beleidigung: Ja
    Volksverhetzung: Ja
    Verleumdung: Ja
    Bedrohung: Ja

    Und das sind Tatbestände, die lassen sich ganz ohne großartige Abwägungen beurteilen. Erst wenn man anfängt, in die moralische Wertung hineinzugehen, obszön, rassistisch, sexistisch, etc., da entsteht doch das Problem. Und das ist die Entscheidung, der Redaktion, sich moralisch positionieren zu wollen. Den Gesetzgeber interessiert das nicht, ob ich öffentlich verkünde, dass Frauen zu nichts anderes fähig sind, als kochen und ficken (schwupps, gleich die erste moralische Wertung erforderlich – ist ficken schon als Wort obszön genug? Allgemein oder in diesem speziellen Kontext zur Erklärung von obszön doch nicht? Schwierig, schwierig und zeitaufwendig.)

    Mein Mitleid hält sich in Grenzen. Es ist nicht das schwierige rechtliche Umfeld, es ist das schwierige nicht-rechtliche Umfeld, womit die Redaktionen _freiwillig_ kämpfen.

    • Hallo Lars,
      ja, es ist ein freiwilliger Kampf, wenn du es so sagen willst. Mich würde mal interessieren, wie du mit Kommentaren umgingest, wenn du in einer Onlineredaktion arbeiten würdest. Was würdest du tun, wenn dich die Kommentarflut überrollt? Sie einfach rollen lassen?

  14. Hallo,
    das ist ein toller Artikel und bietet mal einen interessanten Einblick in die Arbeit von Online-Redaktionen.

    Aber mir stellt sich die Frage, warum überhaupt Facebook nutzen als Medium? Mich stört dieses unreflektierte Kommentieren der Nutzer dermaßen, dass ich bald ganz auf Facebook verzichten werde, auch wenn einige lose Kontakte von früher dadurch abbrechen werden.

    Man denkt ja, seine Freunde und Bekannten ganz gut zu kennen. Aber wenn ein Bild von einem geschlagenen Hundewelpen gepostet wird, werden alle plötzlich zu Fans von Folter und Todesstrafe.

    Offensichtliche Propaganda von politischen Extremen wird ohne die Quelle und Richtigkeit zu prüfen geteilt und „geliked“ und mit „Gute Nacht Deutschland“ kommentiert.

    Und ihr setzt euch diesen dämlichen Kommentaren aus und müsst sie auch noch sichten und zensieren? Wie kann sich das denn rentieren? Warum veröffentlicht ihr eure Artikel nicht auf einer Website ohne Kommentarfunktion?

    • Hallo Sam Martin,
      unsere Artikel werden alle auf http://www.freiepresse.de veröffentlicht. Wenn wir sie zusätzlich auf Facebook, Twitter oder Google+ posten, dann um ja, eine größere Reichweite zu erlangen, aber natürlich auch, um unsere Leser so direkt wie möglich zum Mitdiskutieren einzuladen. Wir wollen nicht einfach unsere recherchierten Geschichten an den Leser bringen und fertig. Wir wollen auch seine Meinung dazu wissen. Nur leider driften Beiträge zu bestimmten Themen oft in eine sehr hässliche Richtung ab, die einfach keinem mehr etwas bringt.

  15. Pingback: Linkdump vom Mo, 31. März 2014 bis Fr, 04. April 2014 Links synapsenschnappsen

  16. „Im Netz ist dem Ärger schneller Luft gemacht als im REALEN Leben“, als an einer „REALEN Diskussionsrunde“.. Immer derselbe Denkfehler und die seltsame Unterscheidung zwischen REAL und INTERNET. Diese Unterscheidung existiert nicht und ist falch, da es ein realexistierendes Netz gibt, in welchem wir auch reale Personen sind, die völlig reale Kommentare abgeben. Diese Disussionsrunde IST REAL, auch wenn sie im Netz stattfindet.

    Und das Vorurteil, dass Kommentare im Internet angeblich anders oder schlimmer wären, ist auch nicht richtig. An einem „realen Stammtisch“ irgendwo in Deutschland würden sie genau dasselbe hören. Der Unterschied, warum es uns so vorkommt, dass die Menschen angeblich im Netz offener und heftiger sind, ist lediglich, dass man nur dort einen direkten Draht zu jedem Stammtisch auf der Welt hat und zu jedem realen Menschen, der etwas sagen will, weil ihn etwas aufregt. Wenn sie ein Supergehör hätten, mit dem sie alle „realen“ Stammtisch-Gespräche und Unmutzbekundungen auf der „realen“ Straße hören könnten, würden sie exakt das gleiche hören, wie im angeblich nicht realen Netz. Der Unterschied ist also nicht zwischen Netz und nicht Netz, sondern liegt darin, dass das Netz einfach eine technische Möglichkeit bietet, sofort in alle Stammtische und Straßengespräche im ganzen Land live reinzuhören. Und nochmal: Das sind alles reale Gespräche und reale Diskussionen von realen Menschen – auch wenn es übers Netz läuft.

    • Das stimmt, die Kommentare und Diskussionen sind real. Dann nennen wir eine Diskussion im Netz eben virtuell. Denn ich sehe schon einen großen Unterschied darin, ob ich mich mit jemandem – meinetwegen am Stammtisch – von Angesicht zu Angesicht unterhalte (real) und meine Meinung kund tue, oder ob ich unter einem Pseudonym mit verfremdeten Profilfoto unter einen diskussionsanregenden Beitrag eine skurile Meinung schreibe oder – wie es oft vorkommt – schnell hinklatsche. Das dient oft keiner sinnvollen Diskussion, sondern nervt Leute, die ernsthaft diskutieren wollen.

  17. Artikel wegen befürchteter Kommentare nicht zu veröffentlichen erinnert doch sehr an die „Schere im Kopf“, die Journalisten gerade nicht haben sollten.

    Ich finde, daß rassistische und antisemitische oder einfach nur dumme Kommentare selbst zum Thema werden können. Schließlich spiegeln sie eine in der Bevölkerung durchaus vorhandene Meinung wieder. Warum nicht einen Beitrag über die dümmsten und niederträchtigsten Kommentare? Wahrscheinlich deshalb nicht, weil Onlinemedien auch von den Klicks der Trolls und der Nazis leben.

    • Hallo Andreas Moser,
      meiner Meinung nach ist es nicht die Aufgabe eines Redakteurs, dümmsten und niederträchtigsten Kommentaren eine Plattform zu geben und diese in einem Beitrag auch noch wiederzugeben. Und wenn wir auf einwas verzichten können in unserem Bemühen, mit unseren Beiträgen in verschiedenen sozialen Netzwerken Diskussionen anzuregen, dann sind es die Klicks und Kommentare von Nazis. Nicht zuletzt will ich auch noch einmal wiederholen, dass wir für die Inhalte auf von uns betriebenen Seiten verantwortlich sind. Die Frage ist, auf welchen Seiten wir welche Artikel posten können – und dabei den Überblick über die Kommentare behalten. Das heißt nicht, dass wir aus Furcht vor Kommentaren Artikel zurückhalten. Im Gegenteil: Auf http://www.freiepresse.de sind alle Artikel veröffentlicht. Und wir freuen uns über zahlreiche Lesermeinungen.

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