Der Volo-Blog der Freien Presse

Jetzt erzählen die Nachwuchsredakteure

Von Plaudertasche bis Angsthase – So kriegt man seine Infos

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VON JULIA KELLER

Während der ersten Volo-Wochen, aber auch schon während meiner Praktika und in meinem Jahr als freie Mitarbeiterin, durfte ich immer wieder feststellen, dass man als Journalistin viele tolle Menschen kennenlernt. Dennoch sind Gespräche mit ihnen manchmal anstrengend. Deshalb hier ein Versuch zusammenzutragen, mit welchen schwierigen Typen von Gesprächspartnern man zu tun bekommen kann und wie man am besten mit ihnen umgeht. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind nicht beabsichtigt, sondern rein zufällig. ;)

Wer spricht da?

Wer spricht da? (Foto: Kamila Gornia/Flickr, Creative-Commons-Lizenz)

Die Plaudertaschen

Plaudertaschen

Plaudertaschen kommen nicht zum Punkt. Foto: (Peter Nijenhuis/Flickr, Creative-Commons-Lizenz)

Woran du sie erkennst: Sie antworten mit einem Halbsatz auf deine Frage – dann schweifen sie ab und erzählen dir alles Mögliche, nur nicht das, was dich interessiert. Sie zu unterbrechen ist so gut wie unmöglich.

Vorteile: Sie sind bereit, mit dir zu reden – sie haben sogar Spaß dabei.

Nachteile: Die Termine ziehen sich unendlich in die Länge – es dauert ewig, bis du deine Informationen hast. Falls du sie bekommst.

Wie du damit umgehst: Möglichst konkrete, kleinteilige Fragen stellen. Zur Not auch dieselbe Frage in verschiedenen Variationen, wenn sie nicht beantwortet wurde. Sei kreativ!

Die Weltversteher

Weltversteher

Weltversteher erklären dir – alles. Und zwar ungefragt. (Foto: cybrarian77/Flickr, Creative Commons-Lizenz)

Woran du sie erkennst: Sie glauben, alles zu wissen und teilen dieses Wissen mit jedem – auch ungefragt. Deshalb erzählen sie dir auch als erstes, dass alles falsch ist, was bereits zum Thema, über das du mit ihnen sprechen möchtest, in der Zeitung stand. Auf deine Fragen antworten sie besserwisserisch und ausschweifend. Aber immerhin antworten sie darauf und erzählen nicht  irgendetwas Anderes (siehe -> Plaudertaschen).

Vorteile: Du brauchst dir keine Sorgen zu machen, dass du deine Informationen bekommst.

Nachteile: Du musst sie zwischen all dem Geschwafel erst mal erkennen.

Wie du damit umgehst: Sei konzentriert und aufmerksam. Stärke dich am besten mit einem Kaffee.

Die (Groß-)Elterlichen

Die (Groß-)Elterlichen

(Groß-)Elterliche Gesprächspartner umsorgen dich und trauen dir nichts zu. (Bild: Georgios Jakobides: Grandma’s Favourite)

Woran du sie erkennst: Sie behandeln dich wie Kinder. Sie tätscheln deine Schultern, trauen dir nichts zu und nennen dich Kind(chen). Außerdem lachen sie über alles, was du sagst oder tust – auch darüber, dass du dir Notizen machst.

Vorteile: Eigentlich sind sie sehr nett. Und ein bisschen wie deine eigenen Großeltern. Außerdem bekommst du Kaffee und Kuchen („Essen Sie doch was, Sie können’s gebrauchen!“).

Nachteile: Nicht ernst genommen zu werden kann gehörig an der Souveränität rütteln. Wenn du dich aus dem Konzept bringen lässt, leidet vielleicht deine Konzentration.

Wie du damit umgehst: Älter wirken: Mach deine seriöseste Frisur, setz deine Brille auf und zieh einen Blazer an. Färb dir zur Not graue Strähnen. Vor allem aber: Zeig deine Kompetenz.

Die Verteidiger

Lego-Ritter

Verteidiger fühlen sich angegriffen, egal wie harmlos deine Fragen sind. (Foto: Andrew Becraft/Flickr, Creative-Commons-Lizenz)

Woran du sie erkennst: Egal wie harmlos deine Frage ist: Sie gehen davon aus, dass du etwas Negatives über sie schreiben möchtest. Deshalb gehen sie in die Defensive: „Das ist nicht allein unser Problem, das betrifft auch andere!“, „Die ähnliche Situation vor x Jahren wurde damals medial maßlos aufgebauscht!“

Vorteile: Ähnlich wie -> Plaudertaschen sind Verteidiger grundsätzlich bereit, mit dir zu reden. Du musst ihnen nur vorher die Angst nehmen

Nachteile: Wenn die Angst vor negativer Berichterstattung sehr tief sitzt, braucht es unter Umständen viel Fingerspitzengefühl, um die benötigten Informationen aus den Verteidigern heraus zu kitzeln.

Wie du damit umgehst: Sei einfühlend und beruhige dein Gegenüber. Mach dem Gesprächspartner klar, dass es dir nicht darum geht, ihn negativ darzustellen. Erkläre ihm, dass du nur die Fragen beantworten möchtest, die sich der Leser stellt. Und – falls das der Fall ist – dass du sie auch anderen Personen stellst.

Die Rückzieher

Rückzieher

Rückzieher erzählen dir spannende Geschichten – und nehmen alles gesagte wieder zurück. (Foto: martin/Flickr, Creative-Commons-Lizenz)

Wie du sie erkennst: Zu spät. Denn am Anfang sieht alles so schön aus: Sie beantworten bereitwillig deine Fragen, reden verständlich und zitierfähig. Sie geben dir wirklich interessante Einblicke in ihre Arbeit oder ihr Leben. Der Schock kommt erst am Ende des Gesprächs: „Ich möchte aber nicht, dass das in der Zeitung steht.“

Vorteile: Du hast alles, was du für eine interessante, lebendig erzählte Geschichte brauchst.

Nachteile: Du kannst nichts damit anfangen.

Wie du damit umgehst: Auch hier brauchst du viel Fingerspitzengefühl (-> Verteidiger). Versuche herauszufinden, welche Bedenken dein Gegenüber gegen eine Veröffentlichung hat und versprich, genau darauf zu achten (das musst du dann natürlich auch tun) oder erkläre, warum sie unbegründet sind. Wenn dein Gegenüber Angst hast, dass du etwas falsch verstehst, kann du vereinbaren, dass du ihn noch mal anrufst, wenn du das Gefühl hast, dass etwas unklar ist.

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